Im Museum der Erdgeschichte

„Die Entstehung des Lebens“ lässt Evolution anschaulich werden

(Werbung, da Rezensionsexemplar)

Der Abend ist bei uns Vorlesezeit. Auch der große Sohn, der mittlerweile selbst lesen kann, fordert dieses gemeinsame Ritual weiterhin ein und das ist wirklich gut so. Oftmals ist es nämlich gerade abends zeitlich alles recht eng, dauert viel länger, als wir Eltern es gerne hätten, denn wir sind müde, während die Kinder plötzlich wieder einen hellwachen Eindruck machen. Manchmal muss dann auch ein kurzes Kapitel ausreichen, aber nicht so gestern, denn da haben wir uns viel Zeit genommen und es uns mit Fiona Munros, Ruth Symons und Katie Scotts „Die Entstehung des Lebens. Evolution“ im Wohnzimmer gemütlich gemacht. Das Buch ist bei Prestel in der „Eintritt-frei!-Reihe“ erschienen, zu der bspw. auch „Das Museum der Tiere“ oder „Das Museum der Dinosaurier“ gehören. Bücher als Museum oder Bücher anschauen, so als würden wir ein Museum besuchen? Da waren der große Sohn und ich sofort Feuer und Flamme und nachdem ihn eine längere Dinosaurierfaszination zu einer Menge Fragen über die Entstehung der Arten, ja der Welt und des Lebens auf der Welt gebracht hatte, erschien „Die Entstehung des Lebens“ als die genau richtige Wahl.

Faszination und Schönheit

Das Buch ist so aufgeteilt, als durchwandere man die thematisch verschiedenen Räume eines Museums: Ganz am Anfang, im Eingangsbereich, wird zunächst die Frage aufgegriffen, was Evolution überhaupt ist und anhand eines „Baum des Lebens“-Modells auch sehr anschaulich gemacht. Anschließend betritt man mit Umblättern der Seiten den ersten Saal und findet sich im Präkambrium, der Erdfrühzeit, wieder. Neben einigen grundlegenden Informationen, was während dieses Erdzeitalters auf der Welt geschehen ist, ist die rechte Buchseite für die Illustrationen bestimmt, die zu jedem Zeitalter passend veranschaulichen, welche Lebensformen sich gerade zu entwickeln begannen. So folgt im zweiten Saal die während des Kambriums explodierende Vielfalt des Lebens auf der Erde und genauso faszinierend geht es weiter über die Fische, die Insekten und die Dinosaurier bis hin zu den ersten Menschen. Die Tour durch das Museum ist eine rasante Reise durch die Geschichte der Erdzeit, während der uns dank der wunderbaren Illustrationen von Katie Scott die Augen übergehen, denn sämtliche Lebewesen und organischen Strukturen, die Scott im Stil alter Naturkundestudien zeichnet, sind wahnsinnig schön anzuschauen. Selbstverständlich sind die begleitenden Informationen auf der linken Buchseite auch sehr hilfreich, man muss jedoch festhalten, dass der Fokus des Buches und der konkreten Buchgestaltung auf den Bildern liegt. Dadurch, dass diese so ausschauen, als hätten sie auch schon vor mehr als hundert Jahren so gezeichnet werden können, bekommt die Darstellung einen wahrlich musealen Charme und es ist, als müsste man immer ein wenig Staub von den Buchseiten pusten, bis sich das darunter verborgene Geheimnis offenbart.

Unser Fazit

„Die Entstehung des Lebens“ ist ein Vergnügen für die Augen und hat sowohl meinem Sohn als auch mir außerordentlich gut gefallen. Zum Anschauen werden wir es sicher noch oft in die Hand nehmen und vielleicht auch zum Abzeichnen, denn dafür eignen sich Katie Scotts Bilder sicher auch hervorragend. Falls man allerdings tiefer in die Besonderheiten eines speziellen Erdzeitalters eintauchen oder mehr über die Eigenarten eines seiner Bewohner erfahren möchte, braucht es weitere Nachschlagewerke, da die kurz gehaltenen Bildlegenden nur die Basisdaten zum Gezeigten enthalten. Um das Interesse am Thema Evolution zu wecken oder um im Rahmen eines Buches vorgeführt zu bekommen, was die Erde bereits für unglaubliche Wesen hervorgebracht hat, ist „Die Entstehung des Lebens“ ideal und am Ende bleibt die Lust darauf, noch mehr zu sehen, zu lesen und zu wissen. Und was könnte ein Buch Besseres hervorbringen als die Lust auf noch viel mehr Bücher und gemeinsame Leseabende auf der Couch?

Fiona Munro und Ruth Symons: Die Entstehung des Lebens. Evolution. Illustrationen von Katie Scott.

Prestel Verlag 2019.

ISBN: 978-3-7913-7308-9.

Preis: 16,00 Euro.

Link zur Buchseite des Verlags.

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