Ein Mittwoch, oder: Willkommen in der 36. SSW

Der Tag beginnt mit einem Frühstück zu fünft, bei dem eigentlich nur zwei Personen etwas zu sich nehmen. Einer möchte gar nichts essen, ein anderer nur Schokoladenaufstrich und die Dritte im Bunde würde ja essen, wenn man ihr das Brot richtig zugeschnitten hätte. Ich bin ein ganz klein wenig genervt, denn auch beim Anziehen und fertig machen der Kinder läuft es heute so gar nicht rund und der kleine Sohn bleibt auch noch einen Tag zu Hause, damit er morgen hoffentlich wieder richtig fit in die Kita gehen kann. Auf dem Rückweg vom Kindergarten fährt Jan noch einkaufen, sodass wir uns anschließend nur rasch die Klinke und den Autoschlüssel in die Hand geben, denn ich habe einen Vorsorgetermin bei meiner Ärztin. In der Praxis ist heute ausnahmsweise mal nicht viel los und ich kann direkt ans CTG und auch danach flüssig weiter durch die Räume und Stationen. Dem Baby geht es gut und ich bekomme die ersehnte Bestätigung, dass der Kopf unten ist und auch schon recht fest im Becken sitzt. Darüber freue ich mich sehr, denn sollte es zu einem vorzeitigen Blasensprung kommen, wird mich dieses Wissen ruhiger in Richtung Kreißsaal fahren lassen.

Nach dem Termin besorge ich im angrenzenden Einkaufszentrum noch ein paar Dinge und erledige den wöchentlichen Drogerieeinkauf. Der Wagen ist mal wieder ordentlich beladen und heute landen auch die ersten Windeln in Größe 1 auf dem Kassenband und das ist doch immer wieder aufs Neue ein Premierengefühl, wenn man Besorgungen fürs Ungeborene macht. Anschließend schleppe ich alles zum Wagen und freue mich auf einen Kaffee mit Jan, als das Telefon klingelt, und ich sehe, dass die Grundschule mich anruft. Das ist jedes Mal ein kurzer Schreck, aber es ist nichts Dramatisches passiert: Dem großen Sohn geht es nicht besonders gut und er wird vorzeitig nach Hause geschickt, sodass wir beinah zeitgleich dort ankommen. Nach einem Brötchen-Mittagessen wird der Kleine hingelegt und auch der Große ruht sich aus. Mein Mann verschwindet eilig an den Schreibtisch und auch ich lege mich nur ganz kurz mal eben auf die Couch… bis ich zehn Minuten später davon geweckt werde, dass irgendwas oder irgendwer sich über mich beugt – der große Sohn wollte nur mal nach mir sehen… Nun ja, das hat geklappt, und natürlich bin ich jetzt erst recht müde, aber das Babyphon hat den Funkkontakt verloren, piepst unaufhörlich und wenn wir heute Abend nicht wieder bis 22 Uhr mit der Kinder-Bettbringrunde beschäftigt sein wollen, dann muss ich den Kleinen sowieso bald wieder wach machen. Das mag er ebenso gern wie ich und nachdem ich eine Viertelstunde aus vollem Halse angeschrien wurde, besteche ich das Kind mit Weingummi und beginne einen Apfelkuchen zu backen, als Jan die Tochter abholt. Der geht ganz schnell und so können wir am Nachmittag noch warmen Apfelkuchen im Garten essen.

Klingt idyllisch, war es aber nicht, denn drei Kinder wollten sich heute mit unterschiedlich überzeugenden Mitteln unbedingt den Hals brechen: Treppen runterfallen, auf dem Trampolin aufeinander drauf springen und ein Bobbycar vs. Wutsch-Rennen die steile Einfahrt hinunter – und das sind nur die Highlights. Nachdem also auch die Nachbarn die tägliche Runde Kindergebrüll nebst Schlichtung, Trost und ebenfalls Gebrüll der Eltern mitbekommen haben, verziehe ich mich in die Küche und koche Pierogi (aus dem Kühlregal) mit Spitzkohl und Kasseler. Es schmeckt sehr gut, aber am Esstisch grüßt das Murmeltier: Fünf sind da, doch nur zwei essen und wir schwören uns mal wieder, dass es hier abends künftig ‚nur‘ noch Abendbrot geben soll. Jan übernimmt die Bettrunde, ich die Badewanne und danach die noch aufzuräumende Küche. Ein langer Tag, den ich jetzt nicht mit diesem Text beende, sondern damit, an das kleine Wesen zu denken, das seit einer guten Viertelstunde in meinem Bauch Samba tanzt. Kommst Du früher? Wie gern ich das doch wüsste!

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