Ein Mittwoch, oder: Neuer Alltag mit Baby

Was für eine Nacht! Die Tochter hatte sehr viel Hunger, entsprechend oft und lange war ich wach. Tatsächlich bekomme ich die Augen kaum auf, als der Wecker klingelt, denn die letzte Mahlzeit ist erst eine Dreiviertelstunde her. Jan fährt gleich zu einem Job und muss die Kinder daher zeitig wegbringen, sodass wir das Frühstück kurzhalten und er (beinah) pünktlich aufbrechen kann. Als alle verabschiedet sind, räume ich die Küche auf und dann ist es auch schon Zeit für die nächste Milch der kleinen Tochter. Danach ist es tatsächlich noch vor acht Uhr und so lege ich mich noch einmal hin, um ein wenig Schlaf nachzuholen. Natürlich funktioniert das mit dem geplanten Einschlafen nicht so gut wie aus Versehen, aber ein Stündchen wird es dann doch und tut unheimlich gut.

Anschließend gibt es ein zweites Frühstück, den heißersehnten zweiten Kaffee und die obligatorische Hausrunde, die aus Spielzeug zur Seite schieben, Befüllen der Waschmaschine und den nötigsten Putzereien besteht. Die kleine Tochter schläft und schläft, auch als ich sie anschließend in die Trage packe und wir zu unserem täglichen Spaziergang durch die Nachbarschaft aufbrechen. Als wir wieder zu Hause sind, kann ich rasch zwei Mails schreiben und dann mit der ab und an quäkenden Tochter auf dem Schoß die letzten dreißig Seiten eines Romans auslesen. (Slimani, ich werde berichten!) Ich starte mit dem Falten der Wäsche, doch die Tochter bekommt Hunger und somit eine Milch, und danach macht mir der Backofen ein Mittagessen. Ich sehe das Postauto, lauere dem Boten auf damit er nicht klingelt, und dann esse ich mit Blick auf die Uhr, denn bald muss ich los zum Kindergarten.

Die Babyschale fährt auf dem Beifahrersitz mit und ich fahre weiterhin extra vorsichtig, denn die Situation ist sehr ungewohnt für mich. Vor dem Kindergarten erwische ich direkt einen Parkplatz und werde sehr freudig willkommen geheißen: Frische Babys sind hier bei allen Kindern immer sehr gern gesehen und die Geschwister stehen vor Stolz fast platzend daneben und versuchen zu moderieren, wer die Schwester zuerst begrüßen darf. Irgendwann sitzen wir dann aber doch alle im Auto und das wird auch Zeit, denn der große Sohn kommt bald nach Hause. Er verbringt die erste Ferienwoche in einem Naturcamp und ist sehr begeistert. Die Mutter eines Klassenkameraden nimmt ihn heute mit zurück und ich bin wirklich froh über dieses nette Angebot. Zu Hause versammeln wir uns alle am Küchentisch, denn die Kinder haben immer Riesenhunger am Nachmittag und es gibt eine abenteuerliche Mixtur aus Pfirsich, Milchbrötchen und Bifi… Der große Sohn erzählt von seinem Tag: Das Highlight der Woche ist eine Wasserschlacht, die heute noch nicht stattfinden konnte, weil die Temperaturen nicht mitgespielt haben. Stattdessen wurden u.a. Flusskrebse gefangen und ich bekomme auch heute wieder neue Gesundheitstipps, denn mit Brennesseltee wird man 100 Jahre alt, sagt der Naturführer.

Der restliche Nachmittag ist ein ziemlicher Balanceakt: Alle wollen erzählen, neue Fähigkeiten vorführen, Spielideen ausprobieren und am besten noch in den Garten, mit Wasserfarben malen und den Stock fertig schnitzen… Nichts davon geht heute, allein mit den Vieren, so wirklich und ich versuche so gut wie möglich allen zuzuhören und zuzuschauen und habe dabei meist die kleine Tochter auf dem Arm, sodass auch das Ball spielen warten muss. Aber eigentlich kriegen wir das alles ganz gut hin und sogar das später stattfindende Abendessen – natürlich Nudeln – verläuft wesentlich friedlicher und weniger chaotisch als erwartet. Anschließend räumen wir auf, gucken eine Kinderserie, räumen weiter auf, ich mache alle Vier bettfertig und höre erfreut Jans Schlüssel in der Haustüre, sodass ich ‚nur‘ noch die Küche aufräumen musste, bevor ich den heutigen Tag hier festhalten konnte.

Und jetzt hoffe ich auf ein bis zwei ruhige Stündchen – möglichst mit noch offenen Augen. Wie war denn Euer Tag?

Eure Simone

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