Unser Lesesommer: Was Wissen schafft

Drei Weltentdeckerbücher für Kinder über Evolution, Humboldt und die Geschichte der Seidenstraßen

(Werbung, da Rezensionsexemplare)

Gemeinsam mit dem großen Sohn habe ich in den letzten Wochen drei Bücher gelesen, die von ganz unterschiedlichen Wissensgebieten, besonderen Reiseerfahrungen und bahnbrechenden Wendepunkten der Geschichte erzählen. Da uns alle drei Bücher auf ihre Weise fasziniert haben, möchten wir euch die folgenden Titel heute gern vorstellen:

Jan Paul Schutten und Floor Rieder: Evolution oder das Rätsel von allem, was lebt

Jan Paul Schutten und Floor Rieder haben ein Buch über Evolution geschrieben und ich kann nur staunend ergänzen: Und was für eins! Anfangs hat es etwas gedauert, sich mit Inhalt und Aufbau des Buches vertraut zu machen, aber wer dranbleibt, wird belohnt, denn es geht um nicht weniger, als um die ganz großen Fragen: Was ist der Mensch, wo kommt er her und wo geht er hin? Was war vor den Menschen auf der Erde und was umgibt diese eigentlich genau? Wie können wir uns die Entstehung der Welt tatsächlich vorstellen und gibt es Möglichkeiten, sich den Urknall und die Entstehung des Universums etwas fassbarer vorzustellen? Die einzelnen Teile des Buches beginnen in diesem Sinne auch nicht mit großen Leitsätzen oder Erklärungen, sondern allem voran steht immer eine Frage, die so formuliert ist, dass man einfach wissen will, wie die darauffolgende Antwort lautet. Beispielsweise „Wer kann beweisen, wie das Leben entstanden ist?“ oder „Was machen Gene so alles?“, aber auch „Was ist schlimmer als sterben?“. Und wer nicht möchte, dass seine/ihre Kinder im Internet aufgeklärt werden, kann sich freuen, dass hier auch Fortpflanzung und Sex eine Rolle spielen – in einem Buch über Evolution natürlich irgendwie naheliegend.

Schutten und Rieder führen ihre LeserInnen begleitet von ästhetisch äußerst ansprechenden Illustrationen von der Urzeit bis in die Gegenwart, vom Universum bis in die kleinste Zelle und von Gott wieder zurück auf den Boden der Tatsachen und das ist ein ebenso großes Lese- wie Denkvergnügen für Interessierte jeden Alters, denn selbstverständlich hätte ich auch nur auf einen Bruchteil der hier gestellten Fragen eine Antwort gewusst. Mein achtjähriger Sohn war jedenfalls sogleich fasziniert und hatte schon immer wieder in dem Buch geblättert und gelesen, bevor wir es uns gemeinsam angeschaut haben. Und damit hat er ganz richtig erkannt, wie man wohl am besten mit dem Buch umgehen sollte, denn ein Nachschlage- oder Lehrwerk ist es nicht und auch zum Vorlesen eher mäßig geeignet. Was aber wunderbar funktioniert ist, sich festzulesen, neue Gedanken zu erspinnen und althergebrachte weiterzudenken, denn das ganze Buch ist ein einziges Konglomerat aus Denkbewegungen, die von Thema zu Thema führen und es ist ein großes und lehrreiches Vergnügen diesen zu folgen und über das nachzusinnen, was uns werden und vergehen lässt.

Volker Mehnert und Claudia Lieb: Alexander von Humboldt oder Die Sehnsucht nach der Ferne

Volkert Mehnert und Claudia Lieb erzählen die Lebensgeschichte Alexander von Humboldts entlang seiner Reisen und Entdeckungen. Das Buch beginnt mit Humboldts Kindheit, seiner Abenteuerlust und seiner Sehnsucht danach, Neues für sich zu entschließen. Dazu braucht der junge Alexander vor allem Mut, denn ein Vorzeigeschüler im klassischen Sinne ist er keinesfalls. Bücher interessieren ihn weniger als das, was er mit seinen eigenen Sinnen sehen, anfassen und entdecken kann und so treibt es ihn eher raus in den Garten, als hinein ins Studierzimmer. Dass die Erforschung der Natur und die Erkundung der Welt in keinerlei Widerspruch zum Gelehrtendasein stehen und Humboldt dieses ganz im Gegenteil ein stückweit neu definieren wird, auch davon handelt dieses schöne Buch. Besonders gut hat uns dabei gefallen, dass die Autoren nicht nur bloß Fakten in Form einer kindgerechten Erzählung zu vermitteln suchen, sondern dass nacherlebt werden kann, mit welchen Eindrücken und Gefühlen Alexander von Humboldt während seiner Expeditionen konfrontiert wurde und wie überwältigend die Bedeutung seines Lebenswerkes bis heute ist. Für junge Forscher und Entdecker also genau das richtige Buch, denn es ermutigt dazu, den eigenen Weg zu finden und sich mit den Dingen zu beschäftigen, die einen wirklich faszinieren. (Ja, ich weiß, Humboldt kannte Fortnite nicht…)

Peter Frankopan und Neil Packer: Die Seidenstrassen. Eine Weltgeschichte für Kinder

Dieses Buch ist noch einmal ein ganz eigenes Kaliber oder man könnte auch sagen: Eine Klasse für sich. Mein Sohn, der gerade acht Jahre alt geworden ist, fand es nur mäßig interessant, aber das liegt nicht am Buch, sondern daran, dass es schlichtweg für ältere Kinder geeignet ist. Ich würde denken, dass man es ab 10/11 Jahren gut probieren kann, aber nur dann, wenn man der Meinung ist, dass das Kind das Nachdenken über Krieg und Gewalt aushalten kann und möchte. Denn was Peter Frankopan hier erzählt, ist nicht weniger als eine kurze Geschichte der Welt anhand ihrer Straßen und Wege und damit verbunden auch derer, die sich durch diese unsere Welt bewegten und damit den Lauf der Geschichte geformt haben. In sechzehn Kapiteln mit Titeln wie „Die Straße der Weisheit“, „Die Straße der Sklaven“ oder auch die „Straße in den Krieg“ will Frankopan verdeutlichen, welche Schauplätze im Verlauf der letzten zweitausend Jahre für die Entwicklungen der Welt von besonderer Bedeutung gewesen sind und wie die unterschiedlichen Interessen verschiedener Bevölkerungsgruppen, Staaten und vor allem auch ihrer Herrscher immer wieder zu Konflikten und Kriegen führten, durch die die Welt nicht nur erschüttert wurde, sondern die immer wieder auch zur Folge hatten, dass Territorien neu aufgeteilt wurden. Ein besonders heiteres und trostspendendes Buch ist „Die Seidenstrassen“ folglich nicht – aber eine fröhliche Geschichte der Welt wäre wohl auch nichts anderes als eine grobe Fälschung. Dennoch – oder gerade deswegen – lässt sich etwas äußerst Wertvolles aus Frankopans Ansatz lernen, das heute wichtiger denn je scheint:

„Manche Leute wollen uns weismachen, dass wir momentan eine schwierige Zeit durchmachen. Und manchmal mag es einem tatsächlich so vorkommen. Doch in Wahrheit erleben wir gerade die schönste Zeit aller Zeiten – jemals.“

Wer genauer verstehen möchte, warum Frankopan mit dieser Einschätzung ja so recht hat, der lese dieses Buch (mit seinem Kind) und weckt dadurch mit Sicherheit das Verständnis dafür, warum es so wichtig ist, die Vergangenheit zu kennen und aus ihr zu lernen.

Jan Paul Schutten und Floor Rieder: Evolution oder Das Rätsel von allem, was lebt. Aus dem Niederländischen von Verena Kiefer.

Gerstenberg Verlag: Hildesheim 2014.

160 Seiten, 24,95 Euro.

ISBN 978-3-8369-5797-7

Hier der Link zur Verlagsseite des Buches.

Volker Mehnert und Claudia Lieb: Alexander von Humboldt oder Die Sehnsucht nach der Ferne.

Gerstenberg Verlag: Hildesheim 2018.

112 Seiten, 25,00 Euro.

ISBN 978-3-8369-5999-5

Hier der Link zur Verlagsseite des Buches.

Peter Frankopan und Neil Packer: Die Seidenstrassen. Eine Weltgeschichte für Kinder. Aus dem Englischen von Norbert Juraschitz.

Rowohlt Verlag: Reinbek bei Hamburg 2018.

128 Seiten, 20,00 Euro.

978-3-499-21827-9

Hier der Link zur Verlagsseite des Buches.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.