Dangast und ich

Eine Liebesgeschichte in vier Szenen

Kennt ihr Dangast? Der kleine Kurort liegt im Landkreis Friesland und ist ein Nordseebad am südwestlichen Jadebusen. Vom Ruhrgebiet aus erreicht man Dangast mit dem Auto in ca. 2,5 Stunden – es sei denn, man steht mal wieder ein wenig auf der A1.

Wir haben unseren diesjährigen Silvesterurlaub in Dangast verbracht und jetzt, gut eine Woche nach unserer Rückkehr, würde ich am liebsten sofort wieder hinfahren, denn einen so entspannten und ruhigen Jahreswechsel hatten wir schon lange nicht mehr!

In Dangast ist nämlich alles ganz in der Nähe und eigentlich braucht man vor Ort gar kein Auto, denn Edeka Pieper ist ebenso schnell erreicht wie das Schwimmbad, eines der zahlreichen Restaurants, die Bäckerei Fröllje oder auch das sehr charmante Kurhaus Dangast, das neben dem kleinen Hafens auf seine zahlreichen Besucher wartet. Ein sehr charmanter Ort mit gutem Kuchen und noch dazu umgeben von scheinbar in die Landschaft hineingewachsenen Kunstwerken.

Das allererste Mal bin ich 2003 in Dangast gewesen. Damals war ich kinderlos, ziemlich jung und unternahm die erste kleine Reise mit meinem damaligen Freund. (Stichwort ganz großes Drama.) Dangast war eine Empfehlung meiner Eltern, aber als wir dort ankamen, hielt ich das zunächst für einen schlechten Scherz. Hier war ja absolut nichts los! In der Ferienwohnung durften wir noch dazu nicht mal rauchen und das, obwohl es draußen regnete und wir drei Staffeln „24“ geguckt haben, denn sonst konnte man dort ja eh nicht viel machen – so mein 22jähriges Ich.

Sieben Jahre später kam ich trotzdem wieder. Diesmal gemeinsam mit meinen Eltern, mit meinem Mann (nein, nicht derselbe) und unserem kleinen Sohn, der gerade mal acht Wochen alt war. Wir waren ahnungslose frischgebackene Eltern wie sie im Buche stehen und die Unterstützung durch meine Mutter war sehr willkommen. Ich war immer noch nicht richtig erholt von der sehr anstrengenden Schwangerschaft und einer unschönen Geburt und so schlief ich mich hier zum ersten Mal wieder so richtig aus und ging sogar einmal allein mit Jan essen.

Verdächtiger Geruch im Ferienhaus

Einige Monate, inzwischen war es kalt geworden, aber auch wir als Eltern wurden langsam etwas eingespielter, kamen wir nochmal nach Dangast. Diesmal jedoch nur wir Drei – das dachten wir zumindest so lange, bis wir das von uns gemietete Ferienhaus aufschlossen und ich den an diesem Ort schlicht unmöglichen Rouladengeruch aus der Küche meiner Mutter wahrnahm. Doch da waren nicht nur der gewohnte Bräter, ein Glas Senf und eins mit Gurken, sondern auch meine Mutter und mein Vater, die sich heimlich die Ferienwohnung über uns gesichert hatten und uns mit diesem Essen willkommen heißen wollten.

Es war Anfang Dezember und so besuchten wir eines Nachmittags den Weihnachtsmarkt in Varel, auf dem mein Vater mir unbedingt eine graue Stofftasche kaufen wollte – wahrscheinlich als Erinnerung an alte Zeiten, als ich ihm ständig irgendwas aus der sprichwörtlichen Tasche geleiert habe. Ich denke immer wieder an diesen Tag, denn kurze Zeit später wurde mein Vater sehr krank und der Urlaub in Dangast war der letzte, den wir gemeinsam erleben durften.

Mein Vater starb am Silvesterabend vor sechs Jahren und seitdem dies geschehen ist, suche ich zum Jahreswechsel meist Orte auf, die ich mit ihm verbinde. Dangast ist so ein Ort und wenn ich nun mit meinen vier Kindern über den Deich spaziere, wir am ersten Januartag im Nebel am Strand buddeln und auf dem Rückweg zu unserem gemütlichen Ferienhaus dort vorbeikommen, wo ich einige Abende so vollauf zufrieden neben ihm auf der Couch saß, dann fühlt sich das gut und richtig an und in manchen Momenten ganz unerwartet nah dran.

2 comments Add yours

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.