Auswandern nach Norwegen. Wie ist das, wenn man es wagt?

Auswandern nach Norwegen? Wie ist das, wenn man es wagt?

Annette hat diesen Schritt bereits vor Jahren gemacht und daher freue ich mich sehr, dass sie sich zu einem Interview mit mir bereiterklärt hat. Denn ich hatte jede Menge Fragen zu Auswanderung und Alltag, zum Leben als Familie in Norwegen, zu Annettes Arbeit an Schule und Uni usw.

Wenn ihr mehr über Annettes Leben erfahren möchtet, findet ihr sie unter @fjordkinder auch bei Instagram.

Interview mit Auswanderin Annette

Liebe Annette – wer seid ihr denn eigentlich und wo lebt ihr heute?

Wir sind zu viert, mein Mann, unsere zwei Kinder und ich. Wir leben seit bald 14 Jahren in Südnorwegen, in der Nähe von Kristiansand.

Ihr seid nach Norwegen ausgewandert. Wie kam es dazu? War das schon immer ein Traum von euch?

Tatsächlich hatten mein Mann und ich unabhängig voneinander den Traum, nach Skandinavien auszuwandern. Irgendwann habe ich mal in einer Zeitschrift eine Übung gesehen: man sollte sich den idealen Tag in der eigenen Zukunft ausmalen. Ganz konkret. Mit Wohnort, Haus oder Wohnung, welcher Arbeit man nachgeht, ob man eine Familie hat usw. Danach sollte man sich überlegen, was nötig wäre, um das zu erreichen. Das habe ich gemacht, und dann waren es nur noch ein paar Monate bis wir umgezogen sind.

Deine Kinder sind in Norwegen geboren. Wenn ihr dann mal in Deutschland seid – ist das für euch wir Urlaub oder fühlt es sich anders an?

Ja, unsere Kinder sind hier geboren. Es ist schon eigenartig, wenn die eigenen Kinder einen belehren und verbessern, weil sie die Sprache hier sicherer beherrschen als wir. Wenn wir in Deutschland sind, haben wir meistens einen vollen Terminkalender um möglichst viele Verwandte und Bekannte zu sehen. Dazu kommen dann noch die obligatorischen Einkäufe und auch das Bedürfnis, Dinge zu erleben die es hier nicht so gibt. Kultur und Großstadtleben fehlen uns zum Beispiel manchmal sehr.

Wie schwierig war die Auswanderung?

Wie schwierig/beschwerlich war die Auswanderung für euch? Gab es Zweifel?

Wir waren ja damals nur zu zweit und sind wohl eher unkompliziert. Wir hatten keine großen Ansprüche und viel Vertrauen, dass sich die Dinge schon regeln würden. Der Umzug war einfach ein spannendes Abenteuer für uns. Und wir haben immer gesagt, dass wir „erstmal“ auswandern, mit der Möglichkeit zurückzugehen, wenn es eben für uns nicht gut funktioniert. Zweifel gab es eher nicht, aber es ist schon manchmal schwer, so weit von „den Lieben daheim“ entfernt zu sein.

Du bist Lehrerin von Beruf, hast in Deutschland studiert, in Norwegen warst du sogar stellvertretende Schulleiterin. Wie schafft man das, wenn man keine Muttersprachlerin ist?

Die Sprache zu lernen fiel mir nicht so schwer, nach einem halben Jahr konnte ich in einer Klasse stehen und unterrichten. Ich war allerdings am Ende eines Tages immer wahnsinnig müde, weil ich das ständige Übersetzen sehr anstrengend fand. Und bis heute denke ich oft, wieviel einfacher der Alltag wäre, wenn ich in meiner Muttersprache kommunizieren könnte.

Und jetzt arbeitest du an der Uni und promovierst. Was ist jetzt deine Haupttätigkeit bzw. woran arbeitest du?

Ich schreibe über Lehrer(identität) in der Arbeit mit einem Kapitel im Schulgesetz. Es geht grob darum, welche individuellen Faktoren Lehrer in ihrer Arbeit gegen Mobbing beeinflussen. Ich habe eine Stelle für 4 Jahre, während der ich zu 75% an meiner Arbeit schreibe und zu 25% lehre. Ich unterrichte dabei Lehramtsstudenten in Pädagogik.

In Norwegen ankommen

Macht Norwegen es einem leicht, dort anzukommen?

Für EU-Bürger ist der bürokratische Aufwand sehr gering. Auch empfand ich die Menschen hier als sehr offen. Das haben aber andere sicher ganz anders erlebt, generell werden Zugezogene durchaus auch kritisch gesehen.

Gibt es auch etwas, das dir in Norwegen nicht ganz so gut gefällt?

Auf jeden Fall das Wetter. Ich vermisse warme Sommerabende. Mich stören auch noch immer die geringere Auswahl in Geschäften (auch wenn sich das sehr gebessert hat in den letzten Jahren) und die hohen Preise.

Was würdest du anderen Familien raten, die mit dem Gedanken spielen, auszuwandern? Was braucht man unbedingt?

Ich denke man sollte die mögliche Einsamkeit und das Außenseitertum als Einwanderer nicht unterschätzen. Zu den praktischen Überlegungen empfehle ich, sich im Netz schlau zu machen; dort gibt es viele Blogs mit Erfahrungsberichten und Tipps zu verschiedensten Ländern. Und sonst: nur Mut, man kann immer wieder zurück.

Würdest Du gerne nochmal an einem anderen Ort leben?

Ich bin eine ziemlich rastlose Seele. Die Kinder haben hier ihr Leben und uns geht es sehr gut, dennoch kann ich mir auch vorstellen, wieder umzuziehen. Mich würde etwas Wärme reizen, und eine Festlandsverbindung nach Deutschland. Ich kann mir zum Beispiel Frankreich gut vorstellen, wer weiß, was nach meiner Promotion kommt…

Ich danke Dir sehr herzlich für die Beantwortung meiner Fragen!

Und jetzt erzählt doch mal… Lesen hier vielleicht sogar noch andere Auswandererfamilien mit? Hättet ihr auch Lust, davon zu erzählen? Dann meldet euch gerne über simone@booksandbabies.de bei mir! Oder spielt ihr aktuell mit dem Gedanken? Das würde mich sehr interessieren!

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