Vier Kinder, zwei Jobs und das bisschen Haushalt? Wie läuft das eigentlich bei euch? Mein persönliches Coronaupdate

In der letzten Woche bin ich gleich mehrmals gefragt worden, wie wir das eigentlich so machen bzw. schaffen mit den Kindern, die mindestens noch zwei Wochen alle zu Hause sind, mit unserer Arbeit, den Wäschebergen, Wollmäusen und den unendlichen Mahlzeiten, die von Kindermündern verlangt werden.

Unser Multifunktionshaus

An manchen Tagen möchte ich dann einfach nur hysterisch kichern und darauf hinweisen, dass meine Haare seit zwei Tagen nicht richtig gekämmt sind, ich meinen Schreibtischaufgaben erfolglos hinterherlaufe, der Küchenboden immer noch klebt und ich gestern Abend eine halbe Stunde geheult habe, weil es mir alles zu viel und dann auch wieder zu wenig ist. Es ist mir zu viel Chaos, zu viel Lärm und es sind mir auch oft zu viele Menschen im Haus. Schon klar, dass sind meine Kinder, aber momentan ist dieses Haus eben nicht nur unser Wohnhaus, sondern ein Multifunktionshaus und ich bin halt weiterhin nur ich. Unser Haus ist pädagogische Spielstätte, Klassenzimmer, Büro, Schnittplatz (von Jan), Prüfungs- und Konferenzzimmer und eine Großküche. Und das sind einfach zu viele Funktionen, es sind zu viele Aufgaben, zu viele Rollen und ich finde es enorm schwierig (bis unzumutbar), dass ich unter dem Dach sitze und Studienabschlussprüfungen abnehme, während mein Mann auf seine Arbeit verzichtet (was weitere finanzielle Einbußen bedeutet, denn er ist ja selbständig), um die Kinder drei Stunden durch die Gegend zu scheuchen, damit ich in Ruhe arbeiten kann. Ich will hier auf keinen Fall eine politische Diskussion anregen (von denen ich zu viele verfolgt habe), denn ja, es gibt Kinderkrankentage, aber die helfen nur in Jobs, wo die Arbeit ggf. jemand anders für Dich erledigt oder sie sich zumindest nicht einfach weiter stapelt und immer mehr wird. Denn meine Studierenden betreue nun mal ich und mein zu schreibendes Buch kann auch nur ich schreiben. Das ist auch richtig und gut so, aktuell aber ein Dilemma und so manche wissenschaftliche Laufbahn wird diese Krise kassieren, meine möglicherweise auch.

Es gibt auch andere Tage…

Aber es gibt auch andere Tage. An denen sitze ich vor acht am Schreibtisch, der große Sohn erledigt seine Homeschooling-Aufgaben eh größtenteils selbst und die drei kleinen Kinder spielen halbwegs friedlich miteinander. Es gibt ein Mittagessen, das zumindest ein Gemüse enthält, die Spül- und die Waschmaschine laufen in Dauerschleife und ich habe eine Hose an, die nicht aus 100% Baumwollstretch besteht. An diesen Tagen bin ich zuversichtlich, dass wir die nächsten Wochen meistern können, so lange wir uns an unser selbstgebasteltes System halten. Das beinhaltet ungefähr das:

  • Nicht verloddern, also eher früh aufstehen, duschen und ausgehfertig anziehen und zwar alle.
  • Mindestens einmal am Tag rausgehen, eher sogar zweimal, denn wir wohnen zwar in einem Haus, haben aber nur zwei Kinderzimmer und da steckt eine Menge Konfliktpotenzial drin.
  • Gutes Essen, auf das man sich freuen kann und das ich für tendenziell gesund halte.
  • Weiterhin Pläne für den Tag machen. Listen schreiben, Dinge abhaken und am Ende des Tages aufschreiben, was gut funktioniert hat. Den Rest lasse ich unter den Tisch fallen.
  • Belohnen. Auch alle natürlich und auf die individuell gerade erforderliche Art.

Unsere Tage sind alle irgendwie gleich bis zum Verwechseln ähnlich und das macht mich einerseits leicht kirre, andererseits steckt genau darin die nötige Stabilität für diese schwierige Zeit. Denn auch wenn wir nicht wirklich wissen, was morgen politisch beschlossen wird, und ob wir in vier Wochen eine zugespitzte Pandemiesituation haben, weil irgendwelche Mutationen uns doch heftig erwischen, können wir an unserer Struktur hoffentlich festhalten.

Wenn also jemand wissen möchte, wie wir das hier schaffen, dann ist die ehrliche Antwort diese hier: Wir wurschteln uns so durch und haben genau eine Priorität: gesund zu bleiben und das in Körpern und Köpfen, alles andere kommt danach wieder. Und ich schaffe es übrigens überhaupt nur zu arbeiten, wenn Jan sich um die Kinder kümmert, denn homeoffice, also wirklich konzentriertes Arbeiten, ist mit kleinen Kindern nicht etwa ein Balanceakt oder eine Frage der Organisation, sondern schlicht und ergreifend nicht möglich.

4 comments Add yours
  1. Liebe Simone,

    danke für den Einblick! Wir haben zwar nur die Hälfte an Kindern, aber ansonsten wurschteln wir uns auch so durch. Zum Glück haben wir einen Garten. Wobei ich den Lockdown im Frühjahr 2020 einfacher fand. Meine Kinder (3 und 4 Jahre) im Januar und Februar zum Rausgehen zu motivieren, ist deutlich anspruchsvoller.

    Und ja, Homeoffice mit (kleinen) Kindern ist unmöglich. Bei uns klappt das auch nur, weil wir uns soweit wie möglich aufteilen und ich die Wochenenden als Werktage nutze (mein Mann ist Handwerker und kann deshalb kein Homeoffice machen).

    Aber auch hier ist die oberste Priorität, dass alle körperlich, geistig und emotional gesund bleiben und deswegen machen wir viele, viele Abstriche. Und das ist gut so 🙂

    Tröstlich finde ich, dass alle Menschen gemeinsam vor dieser Herausforderung stehen und ich mich deshalb mit vielen anderen Menschen austauschen und von ihnen inspirieren lassen kann. 🙂

    Lieben Dank nochmal für deinen Einblick und kommt gut durch die nächsten Tage und Wochen,
    Gesa

    1. Liebe Gesa,

      vielen Dank für Deine lieben Worte! Ich finde es auch total schwierig, die Kinder (und mich selbst) bei schlechtem Wetter zu motivieren… Da hilft der Schnee jetzt schon sehr! Außer bei der kleinsten Tochter, denn ihr ist es einfach nur viel, viel zu kalt, sodass wir uns wieder einmal aufteilen müssen. Ich wünsch‘ Euch alles, alles Gute für die nächsten Wochen!
      Herzliche Grüße, Simone

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