Jugendherberge mit vier Kindern? Aber sicher doch!

Der Wangerooger Inselherbst vom Westen aus betrachtet

Wenn man in Harlesiel auf die Fähre steigt, beginnt der Urlaub – sofern man einen Sitzplatz und eine Tasse Kaffee ergattern konnte. In unserem Fall heißt das allerdings fünf Sitzplätze plus ein Liegeplatz auf dem Arm, dreimal Apfelschorle, zweimal Kaffee, einmal Milch. Und jede Menge Handgepäck, das wir zusätzlich zu unseren zwei großen Gepäckstücken, die wir vorab aufgegeben haben, noch mit an Board nehmen. Als wir das letzte Mal mit dem Schiff gen Wangerooge fuhren, war ich mit unserem dritten Kind schwanger, sodass sich unsere Kinderzahl seither schlicht verdoppelt hat und damit ist auch das Reisen anders geworden. Spontan geht bei uns wenig, aber mit guter Planung sollte doch auch so ein Insel-Kurzurlaub gut zu machen sein. Doch es gibt noch eine weitere Besonderheit an diesem Aufenthalt: Erstmalig werden wir nach unserer Ankunft im Wangerooger Hafen nicht in die Inselbahn einsteigen, die die allermeisten Inselgäste ins einige Kilometer entfernte Inseldorf bringt, sondern werden im Westen der Insel bleiben, und uns zu Fuß auf den Weg zu unserer Unterkunft machen. Wir wohnen nämlich in der Jugendherberge Westturm und haben dort das Rundum-sorglos-Paket gebucht: Das heißt Vollpension, und ich freue mich sehr, dass wir keine Mahlzeiten planen, nicht ans Einkaufen denken und überhaupt einfach nicht kochen, aufräumen und spülen müssen. Doch natürlich habe ich mir im Vorhinein auch so einige Gedanken gemacht und frage mich vor allem dies: Wie schaffen wir es, dass sechs Menschen in einem Raum zur Ruhe finden und nachts schlafen?

Westturm mit Wattblick

Der Westturm ist einer der drei Türme auf Wangerooge und gehört neben dem alten und dem neuen Leuchtturm zu den Wahrzeichen der Insel. Errichtet wurde der heutige Westturm 1932, seine Geschichte ist allerdings viele hundert Jahre älter, denn der 56 Meter hohe Turm, den wir heute sehen, bewohnen und erklimmen können, ist schon der dritte Westturm in der Inselhistorie, da es bereits im 14. Jahrhundert einen ersten Vorläufer-Westturm gab. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der heutige Turm zu einer Jugendherberge des DJH und seit 2005 gibt es nicht mehr nur die Möglichkeit im Turm zu residieren, sondern auch in einem freistehenden Nebengebäude, in dem sich auch die Rezeption, der Speisesaal und – für uns ganz wichtig – ein Spielzimmer mit Blick in die Dünen befinden.

Als wir ankommen, werden wir sehr herzlich in Empfang genommen, warten noch kurz auf unseren Zimmerschlüssel, sind sehr gespannt und diskutieren vorsorglich schonmal die Bettenverteilung. Unser Zimmer liegt im ersten Stock, für Gepäck und Kinderwagen gibt es einen Aufzug, und jedes der Zimmer verfügt über ein eigenes Bad. Von der Zimmergröße bin ich total positiv überrascht, denn es ist sehr geräumig.

Im kleinen Flur kann man die sandigen Schuhe abstellen, Toilette und Bad sind praktischerweise getrennt und sogar Synchron-Duschen wäre möglich, denn es gibt gleich zwei Duschkabinen. Im Wohn- und Schlafraum sind drei Doppelstockbetten, funktionale Schränke, Tisch und Stühle vorhanden und extra für uns zwei Babybetten aufgebaut, sodass es an nichts fehlt. Aber das absolute Highlight entdecken wir, als wir auf die Terrasse treten, und das sieht so aus:

Denn die Lage der Herberge ist einfach einmalig!

Von morgens bis abends kinderfreundlich

Nachdem wir die Betten bezogen und unsere Koffer ausgepackt haben, besuchen wir noch kurz den zum Haus gehörenden Spielplatz, der direkt neben dem angrenzenden Fahrradverleih liegt. Ab morgen haben auch wir uns dort Räder samt Anhänger für die Kinder reserviert, allerdings werde ich stets ins Dorf laufen, da ich mit dem drei Monate alten Baby noch nicht Fahrrad fahren kann bzw. nicht möchte. Der kleine Sohn ist nicht nur von den Spielgeräten und der Schaukel sehr begeistert, sondern hat sofort die Torwand und den Basketballkorb entdeckt, da ihn alles, was mit Bällen zu tun hat, sehr interessiert. Der große Sohn hat sich derweil seine Schwester geschnappt und besucht die Meerschweinchen und Hühner, die in einem Kleintiergehege wohnen und von den Kindern mit frischem Gras versorgt werden.

Doch dann ist es auch bald schon Zeit fürs Abendessen, das von 18 bis 19:30 serviert wird. Im Speisesaal gibt es einen festen Sitzplan, d.h., dass die Tische zugeteilt werden und man im Grunde immer am selben Platz sitzt, was ich sehr angenehm finde. Ich habe mich als Vegetarierin eingebucht und so gibt es am ersten Abend eine vegetarische Bratwurst für mich, die anderen essen Fleisch, Gemüse und Kartoffeln. Nachtisch steht auch immer bereit und Getränke kann man sich jederzeit nachnehmen – vom Essen übrigens auch, denn das ist für unsere Kinder zum Teil ein ganz wichtiger Punkt, da die Angst, nicht satt zu werden, immer groß ist. Ich wundere mich etwas darüber, dass hier alle in bequemen Klamotten und Hausschuhen sitzen, aber ratet mal, wer schon am nächsten Tag genauso dasaß? Denn Jugendherberge ist einfach etwas anderes, als ein Hotelaufenthalt und auch das Essen ist anders als im Restaurant. Denn man sitzt auch schonmal gemeinsam an einem Tisch, trifft sich morgens, abends und dazwischen wieder und mit Kindern sieht man sich spätestens im Spielzimmer nicht nur einmal. Das heißt wahrlich nicht, dass man gezwungen wäre, stets zu kommunizieren oder Kontakte zu knüpfen, aber wenn man mal kurz hinter Kind 1 herlaufen muss und jemand anders ein Auge auf die zwei anderen Kinder hat, dann ist das prima. Und wenn man nach einem langen Tag mit viel Bewegung ganz einfach und gemütlich beim Essen sitzen kann, dann ist das ein bisschen zu Hause sein, wo man eigentlich ‚nur‘ zu Gast ist. Doch Gast ist man in der Jugendherberge Wangerooge tatsächlich im besten Sinne, da ausnahmslos alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr freundlich und hilfsbereit sind. Kinderfreundlich ist hier nicht nur ein bloßes Etikett, sondern beginnt morgens bei warmem Kakao zum Frühstück und endet abends mit dem Ausleihen eines der vielen bereitstehenden Gesellschaftsspiele.

Schlafen zu Sechst

Unser Anreisetag war lang und nun ist es Zeit ins Bett zu gehen und das sieht hier so aus: Wir alle machen uns fertig und dann ist für die Kinder Schlafenszeit. Zwei von 4en schlafen direkt beim ersten Matratzenkontakt ein, bei den anderen beiden dauert es ein wenig, aber trotzdem kommen alle wirklich gut und ohne Schwierigkeiten zur Ruhe. Wir Eltern lesen anschließend noch ein wenig, aber dann nutzen wir die Gelegenheit und machen etwas ganz Verrücktes, das wir zu Hause niemals machen, obwohl uns klar ist, wie gut das möglicherweise tun könnte: Wir schlafen vor 22 Uhr ein und sind am nächsten Morgen wirklich richtig erholt und das klappt auch in den Folgenächten wieder und wieder.

Nach vier Übernachtungen endet unser Kurzurlaub auf der wunderbar herbstlichen Insel auch schon wieder, doch wir hatten eine wirklich schöne Zeit und ich habe es jeden Tag aufs Neue genossen, dass wir im Inselwesten wohnen, denn in den Ferien ist mir das Inseldorf manchmal schlicht zu voll. Ich bin jeden Tag über zehn Kilometer gelaufen und hatte so manchen landschaftlichen Fixpunkt, den ich schon jetzt vermisse: Rechts von uns der Deich, links der neue Leuchtturm, gleich kommt der silberne Busch und danach sind die Sträucher mit den roten Blättern dran. Dann noch ein Stück auf der Straße des Westens und da sind wir wieder: Im Inseldorf, auf der Promenade, am Rosengarten und weiter geht’s bis zum Flugplatz. Hach, Wangerooge, wir kommen hoffentlich bald schon wieder und sind uns sicher: Für einen Kurzurlaub werden wir uns ganz bestimmt erneut in der Jugendherberge Wangerooge einbuchen, denn auch den Kindern hat es total gut gefallen! Fünf Tage direkt am Watt, den Blick zwischen Dünen und Deich und nicht ein Schluck Hagebuttentee, genau so soll entspannter Familienurlaub sein!

Und jetzt erzählt ihr doch mal: Macht ihr Urlaub in der Jugendherberge? Und wenn ja, in welcher? Oder habt ihr bisher noch nicht und möchtet mal? Falls ihr weitere Fragen habt: Gerne her damit, ich beantworte alles, was ich beantworten kann.

Dieser Beitrag ist in Kooperation mit der Jugendherberge Wangerooge entstanden, bei der ich mich auch an dieser Stelle noch ganz herzlich bedanken möchte. Selbstverständlich wird hier dennoch ausschließlich meine eigene Meinung wiedergegeben.

4 comments Add yours
  1. Also sowas, da trifft man sich nicht nur im Spiezimmer sonder entdeckt zufällig den Blog. Ich finde die Jugendherbergen wunderbar. Traditionell fahren wir zu Ostern eine Woche lang mit Oma und Opa, meiner Schwester und die drei Kinder, Ich mit den dreien und manchmal auch die Männer. Bei 6 Kindern im Alter von 1-7 wird es laut und wild aber in der DJH stört es keinen. Die Kinder lieben es durch die Häuser zu stromern sich am Buffet zu bedienen und Zeit mit uns und den Großeltern zu verbringen. Nächstes Jahr geht es nach Juist darauf freuen wir uns schon.
    Liebe Grüße aus Ostwestfalen, die Mama aus dem Spielzimmer

    1. Hi Melanie, das ist ja ein lustiger Zufall! Wer seit ihr denn gewesen? 🙂 Uns hat es total gut gefallen und wir kommen sicher wieder! War das auch euer erster Aufenthalt dort? Liebe Grüße, Simone

      1. Auf Wangerooge waren wir schon mal vor vier Jahren. Damals war der Große 1,5 und noch alleine. Leider ist er krank geworden, 40 Fieber und Pseydokrupp. Und wie es das Schicksal so wollte ist dieses mal genau das gleiche passiert. Also vielleicht kannst du dich an den Kindern orientieren,sie sind 5,3,1 Junge,Mädchen,Junge und das Mädchen hatte sehr kurze Haare. Der Große hat vor den Sommerferien Friseur gespielt. Wir waren von Freitag bis Montag dort. Liebe Grüße Melanie

        1. Hi Melanie, ah, dann weiß ich (glaube ich), wer Du bist 🙂 Pseudokrupp ist echt furchtbar, das tut mir leid! Ich hoffe, die Rückreise war halbwegs ok und jetzt sind wieder alle fit? Lg, Simone

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