Vier Jahre Du!

Morgen ist es endlich soweit, unsere ‚große‘ Tochter wird vier Jahre alt! Gut, dass der ersehnte Tag sich nun wirklich nähert, denn hier ist jemand sehr, sehr aufgeregt. Aber wer einen Tag vor Heiligabend Geburtstag hat, muss auch eine ganze Menge Vorfreude und Spannung verpacken können. Doch ich glaube fest an unser Mädchen und kann mir sowieso kaum etwas vorstellen, mit dem sie nicht fertig werden würde, denn unser zartes, kleines Persönchen ist sowas von tough, klug und durchsetzungsstark – aber da sind Mädchen, die zwischen zwei Brüdern groß werden, auch sicher ganz gut aufgestellt. Gerade bereite ich die morgige Feier vor, die Geschenke sind schon verpackt und ich werde ganz schön rührselig, denn an die sehr überraschende Geburt der Tochter erinnere ich mich wahnsinnig gerne.

Der errechnete Termin war erst zwei Wochen später und so dachte ich mir nichts dabei, als ich mich am Morgen des 22. Dezember 2015 ein bisschen seltsam fühlte. Irgendwie aufgeregt, aber auch ganz ruhig, hellwach und doch ein wenig entrückt. Wir hatten Zeit und gingen im Wald spazieren. Ich nicht mehr ganz so schnell, aber im Grunde war ich fit und es ging mir wirklich gut. Am Nachmittag fuhr Jan mit dem großen Sohn ins Schwimmbad und als alles um mich herum ganz leise war, spürte ich es mit einem Mal deutlich: Ein regelmäßiges Ziehen, das anfangs noch ganz leicht war. Aus eigener Erfahrung wusste ich da ja noch nicht, wie sich der Beginn einer Geburt und wie sich natürliche Wehen anfühlen, denn beim großen Sohn war ich eingeleitet worden und spontan war da gar nichts.

Ich will das nicht!

Ich räumte ein bisschen in der Wohnung hin und her, checkte meine Kliniktasche und machte Yoga, denn zum Stillsitzen war ich schon zu aufgeregt. Wir aßen zu Abend und ich erzählte Jan von meinem leisen Verdacht, doch sicher war ich noch nicht. Wir versuchten einen Film anzuschauen, doch ich konnte nicht richtig sitzen oder liegen und gegen halb zehn war ich sicher: Das sind nicht irgendwelche wilden Wehen, sondern da kommt mehr – sehr viel mehr. Ich versuchte, erstmal ruhig zu bleiben, aber schaute schon genau auf die Abstände zwischen den Kontraktionen. Wir legten uns erstmal ins Bett, doch an Schlaf war für mich nicht zu denken. Gegen halb eins stand ich also wieder auf, denn jetzt wurde das Ziehen stärker und sehr regelmäßig. Ich rief meine Hebamme an, die sagte, dass ich erstmal so weitermachen, mich aber sofort melden sollte, wenn die Abstände zwischen den Wehen (hat hier jemand Wehen gesagt?) kürzer würden. So langsam dämmerte es mir, dass das hier doch tatsächlich schon Geburt sein könnte und da packte mich die Panik: Ich kann das nicht, ich will das auch gar nicht und erst recht nicht jetzt und hier und heute, denn ich bin doch noch gar nicht richtig vorbereitet und vor Weihnachten war das doch wirklich nicht geplant!

Jan versuchte mich zu beruhigen, doch jetzt musste ich die Wehen teilweise schon richtig veratmen und wir beschlossen, dass unsere Hebamme jetzt doch mal lieber vorbeikommen sollte. Das tat sie auch, inzwischen war es gegen halb drei in der Nacht und nach einer kurzen Untersuchung war klar, dass wir lieber mal los in Richtung Klinik fahren sollten. Jetzt war ich so richtig aufgeregt und wir vereinbarten, dass Jan sich den großen Sohn schnappen und ihn zu meinem Bruder bringen würde und dass meine Hebamme und ich schonmal ins Krankenhaus fahren sollten, denn das war eine halbstündige Autofahrt entfernt. Während der Fahrt unterhielten wir uns sogar noch über alles Mögliche, doch zwischendurch musste ich immer länger und stärker werdende Wehen veratmen und einmal hielten wir sogar an, da ich mich übergeben musste. Als wir endlich am Krankenhaus und dann ratzfatz im Kreißsaal angekommen waren, hängte ich mich sofort an ein Tuch, um eine gute Position zum Veratmen der Wehen zu finden, die mich jetzt komplett forderten. Irgendwann bekam ich halb mit, dass nach Jan telefoniert und ihm gesagt wurde, dass er sich jetzt mal lieber beeilen sollte und gefühlt einen Augenblick später war er endlich da!

Momente für alle Zeit

Gegen 9 Uhr am Morgen des 23. Dezember 2015 wurde unsere Tochter geboren, die ein so wunderschönes kleines Wesen war, wie ich noch nie eins gesehen hatte. Sie lag auf meiner Brust und ich konnte nicht fassen, was hier gerade passiert war. Wir verbrachten noch einige Stunden im Krankenhaus, Papierkram wurde erledigt und die Kinderärzte schauten nach unserem Baby, die Gynäkologin nochmal nach mir und dann konnten wir die Klinik mit unserer Tochter auf dem Arm verlassen. Ihr roter Wollanzug war ihr viel, viel zu groß und im Maxi Cosi drohte sie beinahe zu versinken.

Als wir die Haustür aufschlossen und unsere Wohnung betraten, die ich doch gerade erst als hochschwangere Frau verlassen hatte, da wurde es mir plötzlich klar: Jetzt waren wir Eltern von zwei Kindern, also so wirklich und im Plural, denn jetzt konnte ich anschauen, berühren und riechen, was ich so lange herbeigesehnt hatte! Und als dann wenige Stunden später der große Sohn das erste Mal seine kleine Schwester sah, da war ich so stolz und gerührt und wusste sicher, dass das genau einer der Momente war, die man immer erinnern und bei sich tragen würde.

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