TOLLE FRAUEN

Heute beginnt auf dem Blog mit „Tolle Frauen“ eine neue Reihe, auf die ich mich sehr freue! Es wird hier nun immer mal wieder Interviews mit ganz unterschiedlichen Frauen geben, die ich euch gerne vorstellen möchte. Frauen, die uns etwas aus ihrem Alltag mit oder ohne Kinder erzählen, die aus ihrem Berufsleben berichten und die uns verraten, was sie beschäftigt, welche Pläne sie umtreiben und was sie sich von der Zukunft wünschen.

Den Anfang macht @stephanieduenzelmann, eine sehr sympathische Frau, die ich auf Instagram kennengelernt habe und der ich so gerne folge, weil sie ihr Familienleben mit viel Humor (und lauter Musik) anpackt und dabei so herzlich ist, dass man sich einfach eingeladen fühlt.

Liebe Stephanie, sag‘ doch mal…

Du bist Mutter von drei wunderbaren Kindern, lebst mit deiner Familie in Süddeutschland und bist jeden Tag voll und ganz da für die Familie. Ist das Dein Wunschleben und wie sieht so ein typischer Tag bei euch aus?

Ja, das ist mein absolutes Wunschleben. Ich habe mir das als Kind schon immer so ausgemalt und wollte neben Ärztin immer Mama werden. Zumindest ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Auf den anderen habe ich verzichtet, um dem einen nachgehen und davor noch finanzielle Unabhängigkeit genießen zu dürfen. Ein typischer Tag ist bei uns, denke ich, wie bei den meisten Familien: Außer, dass ich eben als Fulltime-Mama zu Hause bin und den Alltag versuche allein zu managen, da mein Mann geschäftlich viel unterwegs ist. Ich mag es gar nicht, mit Druck in den Tag starten müssen und auch nicht, die Kinder unter Strom vom Kindergarten abholen zu müssen. Da ich niemandem außer meiner Familie gerecht werden muss, entschleunigt das zu Hause sein dürfen den Alltag sehr. Es ist für mich ein Geschenk und ich bin dafür unendlich dankbar.

Nach dem Kindergarten wird gemeinsam gegessen, gestritten, gelacht, gebastelt, gespielt, getobt und entweder außer Haus was unternommen oder nicht. Mal jeder für sich, die Großen zusammen oder mit mir. Abends ist mir runterkommen wichtig. Mit zwei so wilden Kerlen und einer immer temperamentvoller werdenden Kleinen brauche ich das auch für meine Nerven. Wir lesen viel, hören Hörbücher, ab und zu gibts auch eine Runde Abendessen aufm Schoß mit dem Sandmännchen vor der Nase. Dann geht es ins Bett. Gottseidank sehr problemlos – außer der Papa macht das. Dann ist hier High-Life in der Bude. Da ich das abends wirklich nicht ab kann, beende ich das Ganze, bevor es komplett eskaliert. Mama mag ihren Feierabend.

Auf welche Aspekte Deines alltäglichen Familienlebens würdest Du am liebsten verzichten?

Alle Kinder morgens für den Kindergarten fertig machen und kochen. Seit ich Mama bin, habe ich keine Lust mehr aufs Kochen. Es nervt mich tierisch, zweimal am Tag überlegen zu müssen, was ich unterschiedlichen Geschmäckern vor die Nase setze. Obwohl ich essen so sehr liebe.

Woher nimmst Du all die Geduld und verlierst auch Du irgendwann mal Deinen großartigen Humor?

Meine Geduld verliere ich eigentlich regelmäßig morgens, wenn ich meinem größten Sohn dabei zusehen muss, wie er sich in 30 Minuten zwei Socken anzieht und dann auf dem Boden liegt und in irgendwelche Fantasiewelten abdriftet. Den Humor verliere ich aber auch in solchen Situationen nur kurz. Meistens habe ich ihn schon wiedergefunden, sobald wir im Auto sitzen. Hochschwanger hat es ab und zu einen Moment länger gedauert.  Humor hilft mir einfach dabei, auch in kritischen Situation klar zu kommen. Damit möchte ich nicht über irgendwas hinweg lachen, aber wenn sich etwas nicht ändern lässt, fahre ich mit meiner „mit-Humor-nehmen“- Version besser und gesünder.

Hast Du momentan Zeit für Hobbies und was tust Du am liebsten, wenn Du Zeit für Dich hast?

Meine Hobbies beschränken sich mittlerweile aufs Schreiben. Früher auf einem Blog, heute auf Instagram. Und ich baue und bastle gerne Dinge nach, die mir viel zu teuer wären, wenn ich sie kaufen müsste. Mit Gedanken und Worten oder meinen Händen kreativ sein zu können, ist für mich absolute Entspannung. Und laut Musik hören, wenn ich mal alleine im Auto sitze. Das sind meine Energielieferanten. Bei drei Kindern in vier Jahren war ist das zwar eher selten der Fall, aber besser als nix.

Habt Ihr – Du und Dein Mann – manchmal Zeit nur für euch beide?

Mein Mann und ich haben, wenn er da ist, abends Zeit. Und das reicht uns im Moment, da wir dauermüde sind und uns über Jogginghose, TV und schönes Essen auf dem Schoß auch sehr freuen können. Nach den beiden Jungs konnten wir auch ein, zwei Mal über Nacht verreisen. Meine Mutter hilft uns da zum Glück und übernimmt. Da Valentina noch sehr klein ist, muss man sehen, wann und wie das mal wieder der Fall sein wird.

Du hast schon an verschiedenen Orten auf der Welt gelebt – wie kam es dazu und inwiefern hat Deine Studienzeit Dich geprägt?

Nachdem mir das Ende eines Medizinstudiums zu weit weg erschien, habe ich mich für meine nächste Leidenschaft entschieden: Andere Länder und Sprachen kennenzulernen. Mein Studium hat mir das ermöglicht. Und es hat mich gelehrt, dass mit Druck wenig geht. Als ich schwerkrank wurde und ich mein Studium nicht unterbrechen wollte, da für mich Stillstand unerträglich ist, hatte ich die besten Noten und musste keine Prüfung wiederholen. Ich habe mich aufgrund der wenigen Kräfte und der Tatsache, dass alles im Verhältnis zur Gesundheit unwichtig ist, einfach aufs Wesentliche konzentriert. Dabei habe ich festgestellt, dass der Weg tatsächlich das Ziel ist. Ach ja, und noch das: Menschen tun sehr viel dafür, um Anerkennung und Macht zu gewinnen und das war noch nie meins.

Möchtest Du, wenn die Kinder etwas älter sind, in Deinen Beruf zurückkehren?

Ich möchte gerne wieder in einen Beruf zurückkehren. Ob es mein erlernter bei meinem Arbeitgeber ist oder etwas anderes, wird die Zeit zeigen. Aktuell vermisse ich nichts, außer Schlaf, und eventuell regelmäßiges „herrichten“. Das gehörte als Berufstätige nämlich zum Standardprogramm. Und manchmal ärgere ich mich über mich selbst, mir nicht genug Aufmerksamkeit zu schenken. Also meinem Äußerlichen. Mein Inneres ist recht zufrieden.

In Deinem Leben ist nicht immer alles wie am Schnürchen gelaufen, denn Du bist bereits in jungen Jahren sehr krank gewesen. Woher hattest Du die Kraft, gegen die Krankheit anzukämpfen und hat diese Zeit Dich verändert?

Krebs mit 25 hat mich verändert. Aber ich würde behaupten, nichts Neues erfunden zu haben. Eher eine Version hervorgeholt, die es schon gab, die aber versteckt war. So krank zu sein, lässt dich reduzieren. Menschen, die Kraft kosten, Zeit für Dinge zu verplempern, die einem nichts geben. Man hat nur die Kraft für Dinge, die einem wiederum Kraft zurückgeben. Zumindest habe ich das Tag für Tag versucht. Ich habe morgens nach dem Aufstehen einen Smiley in einen Wandkalender gemalt. Glücklich oder traurig. Es vergingen einige traurige Smileys bis meine Zuversicht auch wirklich gegriffen hat. Man fühlt sich fast wie ein Kind, das gerne Vieles allein machen möchte, aber noch nicht kann. Hilflos, ausgeliefert, aber eben auch voller Freude an vermeintlichen Nichtigkeiten wie der Sonne, die sich in an der Scheibe runterlaufenden Regentropfen reflektiert. Und als ich diesen Tag erreicht hatte, wusste ich, mir kann niemand was. Nicht mal ein bösartiges Geschwür. Ich glaube, der Kopf und die grundlegende Einstellung zum Leben können entscheidend sein. Natürlich nicht immer, aber bei mir hat es damals geklappt.

Was möchtest Du Deinen Kindern besonders auf ihrem Weg mitgeben, also welche ‚Werte‘ erscheinen Dir besonders wichtig?

Da gibt es einige Dinge: Dass es völlig ok ist, nicht jeden Menschen zu mögen und auch nicht von jedem gemocht zu werden. Dass Freundlichkeit und Respekt aber auch bei solchen Mitmenschen ganz gut helfen, um klarzukommen. Und wenn man versucht etwas mit Spaß zu machen, fällt es einem nicht ganz so schwer, durchzuhalten. Man sollte niemals im Streit auseinandergehen und mutig genug sein, auch unangenehme Dinge anzusprechen und sich entschuldigen, wenn nötig.

Mir ist wichtig, ihnen ein Gefühl für sich und ihre Umwelt mitzugeben sowie Respekt gegenüber anderen und auch sich selbst zu wahren.

Gibt es gesellschaftliche Themen – gerade auch als Mutter – die Dich beschäftigen und umtreiben?

Mich beschäftigt die Rolle der Frau in der heutigen Zeit. Manchmal hat man das Gefühl, egal wie man es macht, es falsch zu machen.  Ob nun beruflich erfolgreich, mit oder ohne Kinder, sich schminkend und auf sich achtend oder sich gehen lassend. Frau soll in jedem Bereich 100% geben und das geht meiner Meinung nach nicht. Dadurch sind viele Frauen unzufrieden, wissen aber, so mein Eindruck, oft nicht genau warum.

Und diese nach wie vor anhaltende latente Fremdenfeindlichkeit beim „Durchschnittsbürger“. Die mag ich auch so gar nicht.

Hast Du einen Tipp für frischgebackene Mütter, der die erste Zeit mit dem Baby erleichtern kann oder kannst etwas empfehlen was man unbedingt bzw. was man so gar nicht braucht?

Liebe frisch gebackene Mama!

Du hast es geschafft! Sei stolz auf dich. Egal wie das Kind zur Welt oder zu dir kam. Lese weniger, höre mehr auf deinen Bauch und messe dich nicht mit anderen Mamas. Denn du bist genug. Auch übermüdet, stinkend, überfordert und ohne soziale Kontakte. Alles hat seine Zeit und egal wie anstrengend es im Moment wirkt, diese Zeit geht vorbei. Nimm dir Hilfe, wenn du kannst, und glaube nicht, alles allein schaffen zu müssen. Als Frau, die Leben geschenkt hat oder bereit ist, ein kleines Menschlein anzunehmen, muss man sich und erst recht niemand anderem etwas beweisen. Ach, und es heißt im übrigen WOCHENbett. Nicht Tagebett. Nehmt euch Zeit im neuen Lebensabschnitt anzukommen. Sofern ihr könnt. Der Rest kommt früh genug.

Genieß es. Auch die Tatsache, dass kein weiteres Kind etwas von dir möchte.

Alles Gute,

von einer erschöpften, aber glücklichen Dreifachmama!

3 comments Add yours
  1. Super tolle Idee und toller Blog♥️Ich habe Stephanie auf Instagram „entdeckt“ und sobald ich einen ihrer Posts gelesen hatte gemerkt, sie ist anders im Sinne von „liegt mir sehr“, da einfach authentisch und eben durch ihre persönliche Geschichte geprägt…dankbar für jeden noch so anstrengenden Tag;) liebe Grüße
    Josephine, Drillingsmama @wolf.bear.lion

    1. Hallo Josephine, ganz lieben Dank für Deine netten Worte. Da freue ich mich und Stephanie bestimmt auch sehr! Und wow, Du bist Mutter von Drillingen, das finde ich so bewundernswert! Ganz liebe Grüße, Simone

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