Was uns fehlt. Woche zwei

Ehrlich gesagt, weiß ich auch nicht so genau, wie es uns gerade geht. Ich habe bei so ziemlich allem, was ich tue und denke, gemischte Gefühle und unser Zustand ist wie eine gelebte Schockstarre. Die Tage gleichen einander und wir halten an unseren neugewonnenen Routinen fest, wobei da nichts wirklich Überraschendes dabei ist: Wir gehen so viel wie möglich raus in den Garten oder spazieren durch Wälder, denn danach geht es allen immer irgendwie besser. Homeschooling findet von montags bis freitags statt und zwar manchmal morgens und dann wieder am Nachmittag, eben ganz so, wie es in den Tag passt. Mittagsschlaf gibt es hier keinen mehr und die Spülmaschine denkt sich jeden Tag eine neue Fehlermeldung aus – wahrscheinlich um ihre andauernde Überlastung zu signalisieren.

Die Kinder stellen weiterhin so einige Fragen, auf die wir keine Antworten wissen, aber sie akzeptieren das „So ist es jetzt gerade eben“ im Grunde besser als wir grübelnden und doch planlosen Erwachsenen. Was mich befremdet, ist mein oft seltsam leerer Kopf. Ich habe kaum Ideen, bin irgendwie stumpf und erfahre gerade am eigenen Leib, dass das Denken nicht gut funktioniert, wenn es von allen Seiten Einschränkungen erfährt.

Exit-Strategien und Lockdown – gelebte Science Fiction

Irritiert hat mich in der letzten Woche besonders die aufkommende Frage nach dem Ende des Lockdowns auf der einen Seite und das immer wieder wiederholte „Das ist die Ruhe vor dem Sturm“ (bspw. von Jens Spahn) auf der anderen, denn das passt für mich so gar nicht zusammen, da ich eher mit einer Verlängerung der Maßnahmen rechne und sicher nicht glaube, dass hier Ende April alle Zeichen auf ‚Normalisierung‘ stehen werden. Zudem habe ich auch bei Zeit/Süddeutsche/Spiegel den Eindruck, dass die Headlines von Tag zu Tag reißerischer werden und bin daher auf den Tagesschau-Liveblog umgestiegen, den ich noch am ehesten ertragen kann.

Was uns allen fehlt

Ich vermisse die Momente, in denen ich ganz für mich bin und finde es schon nicht ohne, 24/7 mit meinen Lieben zusammen zu sein. Aber dann denke ich an all die Familien, in denen es gerade heftig kriselt, in denen gravierende Probleme den Tag dominieren oder gar an solche, in denen Gewalt passiert. Und dann wünsche ich mir so sehr, dass insbesondere all diese Kinder bald wieder in Kindergärten gehen können, in denen gute Pädagoginnen und Pädagogen darüber wachen, was möglicherweise im Privaten geschieht. Denn all die jetzt geschlossenen Tageseinrichtungen für Kinder haben so viele Funktionen, die gerade in der öffentlichen Debatte kaum genannt werden: Es geht doch nicht nur darum, Kinder ‚aufzubewahren‘ damit ihre Eltern des Bruttosozialprodukt steigern können, sondern es geht auch um pädagogisch wichtige Arbeit, die geleistet wird, und es geht um ein Netzwerk von Menschen (und damit meine ich natürlich auch die Lehrerinnen und Lehrer), die so vielen Kindern Sicherheit und Geborgenheit vermitteln, die ganz genau hinhören und hinschauen und die Familien dabei unterstützen, eine gute Balance für das Zusammenleben zu finden. Und dieses momentan entstandene Ungleichgewicht ist etwas, das hoffentlich bald wieder ins Lot gerät.

Wie geht es euch allen denn so und was treibt euch momentan am meisten um?

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