Warum ich meine erste Schwangerschaft einfach nur furchtbar fand

(Triggerwarnung: schwere Geburt, Fehlgeburt)

Seid ihr gerne schwanger (gewesen)? Meine Antwort auf diese Frage muss Ja und Nein heißen, denn wirklich gerne schwanger war ich erst bei meinem zweiten Kind. Bei Kind Nr. 1 – und die Schwangerschaft ist nun schon unglaubliche 10 Jahre her – fand ich es ganz, ganz furchtbar und hier erzähle ich, warum das so war.

Plötzlich positiv!

Ich war 28 Jahre alt, gerade fertig mit dem Studium und bereitete mich auf meine Doktorarbeit vor, während ich abends kellnerte, um Geld zu verdienen. Mein Mann war erst sage und schreibe drei Tage mein Mann, da hielt ich einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Zu diesem Zeitpunkt waren wir gerade auf Wangerooge, denn dort hatten wir soeben geheiratet und mit einem Schlag wurde mein Leben im ockergelben Badezimmer der Ferienwohnung anders.

Es war kurz vor Ladenschluss, aber ich wollte unbedingt, dass Jan nochmal los eilte, um einen zweiten Test zu kaufen, denn selbst gehen konnte ich nicht, weil meine Beine wirklich aus Pudding bestanden. Als dann der zweite Test auch positiv war, begann das Nachdenken erst so richtig und von diesem Moment an gab es kaum ein anderes Thema zwischen uns. Bis zu diesem Tag hatte ich geraucht und auch Alkohol habe ich ganz gern getrunken. Mit beidem musste nun natürlich Schluss sein und so saß ich abends am Pfefferminztee nippend beim Italiener und wäre am liebsten sofort von der Insel geflohen, um zu meiner Ärztin zu fahren, damit mir ein mit Schwangerschaften vertrauter Mensch versicherte, was ich nun eigentlich ja doch schon recht sicher wissen konnte.

Adieu alte Hosen!

Aber bis zu unserer Rückkehr dauerte es noch ein paar Tage und bis zu meinem Arzttermin verging mehr als eine Woche. Aber dann war der große Tag gekommen, ich war irre nervös, wurde dann aber bereits mit einem schlagenden Herzen im Ultraschall belohnt. Von nun an ging es so richtig los, denn abends und nachts kellnern (in einer Kneipe, in der geraucht wurde) war jetzt eher nicht mehr ratsam und eine neue Bleibe musste auch her, denn Jan und ich lebten gemeinsam in einer winzig kleinen Wohnung in der fünften Etage mitten in der Innenstadt. Aber all das waren „Probleme“, für die sich Lösungen finden ließen, was ich hingegen nicht kommen sah, waren die eigentlich entscheidenden Veränderungen, die auf mich zukamen, nämlich das, was mit mir von innen heraus passierte. Von meinen Freundinnen war ich tatsächlich die erste, die ein Kind bekam, daher gab es von dieser Seite wenig Erfahrungsberichte und so erlebte ich die meisten Veränderungen nur mit mir selbst.

Übel war mir nur am Anfang etwas, aber ich war schrecklich müde. Der plötzliche Verzicht auf Zigaretten führte dazu, dass ich unheimlich viele Süßigkeiten aß und das hatte natürlich zur Folge, dass ich schnell und richtig viel zunahm. (Am Ende der Schwangerschaft waren es gut dreißig Kilo.) Mir passten schon im dritten Monat kaum noch ‚alte‘ Hosen und bald darauf kamen Rückenschmerzen hinzu und meine Laune war oft im Keller.

Es wurde Frühling, draußen herrlich warm. Doch während sich meine Freunde im Biergarten trafen, blieb ich immer öfter zu Hause, weil ich keine Lust hatte, am Mineralwasser zu nippen und mich dabei eigentlich sehnlichst ins Bett zu wünschen. Die anderen hatten große Reisepläne für den Sommer, wir suchten verzweifelt nach einer bezahlbaren Wohnung und ich bald schon nach bequemen Schuhen, denn meine Beine und Füße taten andauernd weh und scheinbar stimmte auch meine Schuhgröße nicht mehr.

Schau mich nicht an!

Und wisst ihr, was ich am allerwenigsten mehr wollte? Angeschaut werden! Egal, wohin ich kam, alle schauten mir zuerst auf den Bauch und die meisten Menschen reagierten nett (oder gar nicht), aber manche auch extrem rücksichtslos, verletzend oder übergriffig. Denn es passierte mir nicht nur einmal, dass mir ungefragt an den Bauch gefasst wurde oder mir von Menschen, die ich eigentlich gar nicht kannte, unheimlich intime Fragen gestellt wurden. Dann ärgerte ich mich noch Tage später, dass ich auf so etwas tatsächlich geantwortet hatte und dass ich nicht laut genug gewesen war, um diese Leute auf IHRE Taktlosigkeit hinzuweisen.

Frei sein!

Ich fand eine Hebamme, die mich nach der Geburt begleiten sollte, ich shoppte Babykleidung und wir erfuhren, dass wir einen Jungen bekommen würden. Über den Namen waren wir uns innerhalb von 10 Minuten einig, die Wohnung fanden wir auch endlich, aber es ging mir nicht besser, sondern das Schwangersein nervte und schlauchte mich von Tag zu Tag mehr. Ich wurde immer schwerfälliger, hatte kaum noch Lust auf Aktivitäten und beschäftigte mich zwar auch am Rande mit der bevorstehenden Geburt, aber dachte dann eigentlich immer, dass ich das schon schaffen würde. Der Gedanke machte mir schon auch etwas Angst, aber je wärmer der Sommer wurde, desto mehr sehnte ich mich danach, endlich wieder unbewohnt zu sein.

Ich wollte meinen Körper zurück, der nur mir gehörte, ich wollte allein und frei sein und mich wieder zu Hause in mir fühlen und ich war mir sicher, dass das nach der Geburt schnell wieder so sein würde. Dass diese Geburt, die einige Tage nach ET eingeleitet wurde, alles andere sein würde als ‚gut zu bewältigen‘, wusste ich natürlich noch nicht, und das war auch ein Grund, warum ich danach noch sehr lange Zeit brauchte, um mich in meiner Haut wieder wohl zu fühlen. (Hier habe ich über die Geburt meines ersten Kindes geschrieben.)

Hochschwanger – aber mit Baby Nr. 4

Die Geburt gab mir den Rest

Ich ging vollkommen auf dem Zahnfleisch, als ich am Ende dieser Schwangerschaft angekommen war, meine Gedanken verdüsterten sich Tag für Tag und die Geburt gab mir wirklich den Rest. Nach dem Kaiserschnitt hatte ich wochenlang Schmerzen, meine Eisenwerte waren sehr im Keller und bis ich das erste Mal mit meinem Sohn spazieren ging, dauerte es lange. Vor der Geburt fühlte mein Körper sich an wie ein mir fremdes, schwerfälliges Ding und nach der Geburt wie eine offene Wunde.

Doch die Zeit ging ins Land, ich hatte eine Hebamme, ich hatte Freundinnen, ich hatte meine Mutter und meine Geschwister und ich hatte Jan und unseren Sohn. Sie alle halfen mir dabei, mich in diesem neuen Leben, in der neuen Rolle und in meinem neuen Körper zurechtzufinden und irgendwann obsiegte der Wunsch nach einem weiteren Kind. Ich wurde wieder schwanger, doch ich verlor die Schwangerschaft in der elften Woche. Auch meinen Vater hatte ich gerade erst gehen lassen müssen und so dauerte es wieder eine Weile, doch dann kam sie! Schwangerschaft Nummer 2, nein, Schwangerschaft Nummer 3, und alles wurde ganz anders! Ich erzähle euch bald mehr davon und kann versprechen, dass dieses zweite Erleben einer Schwangerschaft eine sehr viel positivere Erfahrung war.

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