#hunderttagebuch: 2 von 100. Philosophie und Parmesan

Eins der Kinder hat heute mit meiner Mutter telefoniert und dabei ging es ausschließlich um die Frage, was das Kind sich bei unserem nächsten Besuch zu Essen wünscht. Wenn ich bei meiner Mutter esse, möchte ich immer ‚irgendwas mit Soße‘ und das muss dann bitte genauso aussehen und schmecken, wie vor zwanzig Jahren (oder auch vor dreißig, aber das war mir jetzt zu krass). Mein Kind hatte andere Wünsche und fragte x-mal nach, ob die Oma denn wirklich auch Parmesan zu Hause hätte, denn es waren Nudeln – selbstverständlich ohne jede Form von Soße -, die ersehnt wurden. Da es die bei uns mindestens jeden zweiten Tag gibt, verstehe ich den Wunsch natürlich.

Eine halbe Stunde später fiel dem Kind dann ein, dass es besser wäre, die Nudeln mit Parmesan jetzt sofort zu essen und so saßen wir bald darauf in der Küche, denn ich hatte die restlichen Spaghetti von heute Mittag aufgehoben.

Woher kommt Oma?

Während des Essens kam dann plötzlich eine Frage auf mich zu, mit der ich nicht direkt gerechnet hatte: Das Kind wollte wissen, wer die Oma geboren hatte. Ich antwortete und erzählte von meiner Oma, die nun aber schon seit vielen Jahren tot ist. Natürlich war das dann unser nächstes Thema und die Anschlussfrage lautete, ob die Oma denn dann bald wieder geboren würde, wenn sie nun schon so lange nicht mehr am Leben sei. Für mein Kind ist diese Vorstellung sehr folgerichtig, denn auch die Zeit vor der Geburt ist etwas, dass er sich so erklärt: er war da zwar noch nicht auf der Welt, aber wohl doch schon irgendwie vorhanden und das wahrscheinlich irgendwo in meinem Bauch. Denn wo soll er denn sonst auf einmal hergekommen sein? (Und by the way: Aristoteles und der Buddhismus denken das nicht so verschieden, oder?)

Wir diskutierten diese Fragen noch eine ganze Weile, während ich etwas skeptisch die Parmesanberge beobachtete, die das Kind sich immer wieder nach nahm. Aber irgendwann war auch dieses Essen vorbei und wir hatten die drängendsten Fragen zu Leben und Tod nicht direkt klären, aber immerhin für den Moment beantworten können.

Anschließend sprach ich mit einem anderen Kind mindestens genauso lange darüber, warum: „eine Caprisonne“ nicht wirklich eine gute Antwort auf die Frage ist, was es zum Abendessen haben wolle und jetzt möchte ich eigentlich gar nicht mehr so viel reden, sondern die Wäsche wegräumen und den Tag ausklingen lassen.

Bis morgen, wenn ihr mögt…

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