#hunderttagebuch: 3 von 100. Wurm-drin-Tag mit Erinnerungen

Die Kita ist heute und morgen geschlossen. Jan musste in Wuppertal arbeiten, daher war ausgemacht, dass ich die Kinder übernehme und erst am Abend an den Schreibtisch komme. Da bin ich nun und eventuell bleibe ich hier auch. Denn heute ist so ziemlich alles schief gegangen und es war komplett der Wurm drin. Die Kinder konnten einfach nicht gut miteinander, sämtliche Spiele arteten unheimlich schnell in Streit aus und auch aus meinen Vorschlägen wurden mittlere Katastrophen. Und ich habe von Playmais über diesen schrecklichen Sand für drinnen, Wasserfarben, Gesellschaftsspiele und Puzzles alle Register gezogen. Als wir dann draußen waren, wurde es deutlich besser, aber meine Nerven waren da auch schon ziemlich durch.

Plötzliche Erinnerung

Als wir später wieder rein kamen und noch im Flur standen, um mich herum Schuhe, Kappen, jede Menge Sand und Gebrüll, musste ich an etwas denken, an das ich schon sehr viele Jahre nicht mehr gedacht hatte: Ich dachte an einen Mitschüler, der in der 5-Minuten-Pause auf dem Klo Bleistift geraucht hatte. Das kam glücklicherweise nicht allzu oft vor (und ich weiß beim besten Willen auch nicht warum), aber ich erinnerte mich plötzlich daran, wie das aussah und vor allem auch, wie das roch.

Von dieser seltsamen Geruchserinnerung landete ich unverzüglich bei der einzigen Motorrad-Mitfahrt meines Lebens, während der ich eine Tasche mit sehr langem Riemen über der Schulter trug. Die Fahrt war nur kurz, aber die Tasche machte mir Probleme, denn sie rutschte ständig runter und ich hatte etwas Angst mich zu strangulieren. Als wir anhielten, roch es verbrannt, und ich stellte fest, dass sich ein großes Loch in meine Tasche gebrannt hatte, da diese wohl zeitweilig über dem Auspuff hing. Das Sprühdeo (natürlich mit Vanillegeruch), das ich immer dabei hatte, war von außen auch schon angesengt und jetzt, wo ich das aufschreibe, fällt mir auf, wie unheimlich oft man Glück hat, wenn man halbwegs unbeschadet zwanzig Jahre alt wird.

Was mich an diesen plötzlichen Erinnerungen so interessierte, war gar nicht wirklich deren Inhalt, sondern die Frage, woher die eigentlich kommen? Was macht das Gehirn, dass es einem scheinbar vollkommen zusammenhangslos und ohne erkennbare Assoziationen diese Erinnerungsfetzen sendet? Wo holt es die her, wenn mein Kopf doch eigentlich gerade mit ganz anderen Fragen und Aufgaben beschäftigt ist?

Ihr ahnt, dass ich nicht viel Muße hatte, diesen Fragen nachzugehen, denn ich stand ja noch immer im Flur, verscheuchte für den Moment all die nun hintereinander herbeirauschenden Erinnerungen, denn meine Gegenwart war gefragt. Jetzt, am frühen Abend, sind alle Gemüter wieder halbwegs beruhigt und morgen übernehmen Jan und seine Mutter alle Kinder bis auf den kleinen Sohn, mit dem ich endlich mal wieder Zeit zu zweit verbringen werde.

Bis morgen also, wenn ihr mögt…

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