Der fehlende Funke

Katya Apekinas Roman „Je tiefer das Wasser“

(Werbung, da Rezensionsexemplar)

Die in Los Angeles lebende Schriftstellerin Katya Apekina erzählt in ihrem Debütroman die Geschichte der Schwestern Edie und Mae, deren Leben sich nach dem Selbstmordversuch ihrer Mutter Marianne drastisch verändert. Plötzlich steht Dennis Lomack vor ihnen – der Vater der Mädchen, der sich bisher kaum um seine Kinder bemüht hat. Dennis ist daher zunächst eher ein Fremder für Edie und Mae, und dass er die beiden aus ihrem gewohnten Umfeld in New Orleans entfernt, um in seiner New Yorker Junggesellenwohnung unterzukommen, stößt zumindest bei Edie auf Ablehnung.

Edie ist die ältere der beiden Schwestern und sie ist ebenso wütend wie traurig, da das Zusammenleben mit ihrer instabilen Mutter immer schon schwierig gewesen ist. Auch für Mae bedeutet der Umzug eine große Umstellung, doch sie ist von Anfang an voller Bewunderung für ihren Vater und tut fortan alles, um ihm zu gefallen. Dennis Lomack ist von Beruf Schriftsteller und hat in der Vergangenheit einige sehr prominente Romane verfasst, die doch immer wieder zu einem Grundthema zurückzukehren scheinen: Die Beziehung zu Marianne, die wenig mit einer ‚gesunden‘ Verbindung zweier erwachsener Menschen zu tun hat, und die irgendwo dort anfängt, wo Vladimir Nabokovs Humbert Humbert mit seiner „Lolita“ aufgehört hatte.

Figuren bleiben fremd

Der Roman ist unterteilt in eine Vielzahl von teilweise sehr kurzen Kapiteln, die aus unterschiedlichen Perspektiven und von wechselnden zeitlichen Standpunkten aus erzählt werden. Im Mittelpunkt stehen zwar konsequent die beiden Schwestern, doch es kommen zahlreiche Nebenfiguren zu Wort, die sowohl das Verhältnis von Dennis zu seiner Frau Marianne, als auch das zu seinen Töchtern kommentieren. Das hat den Vorteil, dass eine einseitige Darstellung des Geschehens ausbleibt, es sind aber insgesamt einfach zu viele und vor allem zu schnell wechselnde Sichtweisen und Stimmen, um tatsächlich ein stimmiges Gesamtbild zu erschaffen. Durch diese fragmentarische Erzählweise bleiben die Figuren nämlich stets ein stückweit fremd und das ist vermutlich auch der Grund, warum ich mit der Geschichte und ihren Akteuren nicht richtig warm geworden bin.

Hinzu kommt, dass das gesamte Setting zu bekannt und letztlich auch ein stückweit klischeebeladen ist: Das New Yorker Umfeld des von der Kunst und seiner Muse besessenen Schriftsteller-Vaters und die mindestens halb verrückte Mutter, die für zusammenhängende Prosa kaum gemacht scheint und die sich deshalb ab und an mal an einem Gedicht versucht – Siri Hustvedts (übrigens großartiger) Roman „Was ich liebte“ lässt grüßen und das ist nur ein Beispiel für ganz ähnlich gestalteten Stoff von in New York spielenden Romanen. Und so ist „Je tiefer das Wasser“ für mich der Versuch eines Künstlerromans, einer Coming-of-Age- und einer tragischen Familiengeschichte, dem leider das Raffinierte, Einfallsreiche und Kunstvolle abgeht, das es hier unbedingt gebraucht hätte. So wurde ich zwar ganz gut unterhalten, konnte aber nichts mitnehmen aus diesem Buch, dessen Funke einfach nicht übergesprungen ist.

Katya Apekina: Je tiefer das Wasser. Roman. Aus dem amerikanischen Englisch von Brigitte Jakobeit.

Suhrkamp Verlag 2020, 396 Seiten.

ISBN: 978-3-518-42907-5, Preis: 24,00 Euro.

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