My love is a Tango

(Werbung, da Rezensionsexemplar)

Mögt ihr Ballett? Ich mag es nicht nur, ich liebe es! Während meiner Schulzeit war das eine echte Glaubensfrage und ich war die, die auch dann, wenn sie im Sportunterricht Basketball oder Volleyball gespielt hat, beim Laufen immer ein wenig getänzelt ist und beim Werfen unfreiwillig eine irgendwie ‚künstliche‘ Armhaltung hatte, denn ich habe bis zu viermal wöchentlich Ballett getanzt. Einige meiner Freundinnen teilten diese Leidenschaft, andere haben Handball gespielt, sich fürs Turnen entschieden oder sind geritten, aber für mich, die ich all diese Sport- und Freizeitmöglichkeiten ausprobiert habe, war Ballett Liebe auf den ersten Blick. Und das sicher nicht wegen der rosa Tutus, dem Traum von Spitzenschuhen und einem kitschigen Pas de deux am Schwanensee, ganz im Gegenteil: Am allerliebsten mochte ich immer die sehr präzise und anstrengende Körperarbeit an der Stange, wenn man Übungen so oft wiederholen musste, bis sie einem wortwörtlich in Fleisch und Blut übergegangen waren und man den Fuß immer noch ein Stückchen weiter nach außen gedreht hatte, den Rücken endlich absolut gerade hielt und die Armbewegungen ebenso weich wie genau auszuführen wusste.

Eine andere Welt…

Mit Eintritt in die Ballettschule öffnete sich eine andere Welt: Da draußen waren Lärm, schlechtes Wetter und die Alltagssorgen einer Schülerin, aber hier drinnen gab es gedämpfte Stimmen, Stulpen und die Muskeln wärmenden Wolljacken, weiche Lederschläppchen, eine großartige Lehrerin und eine Frau oder einen Mann am Klavier. Ja, wir haben die ersten Jahre tatsächlich in der Begleitung eines Pianisten trainieren dürfen und das hat das Ganze noch etwas besonderer gemacht. Im Ballettsaal gibt es immer eine bestimmte Ordnung und auch Strenge und Disziplin gehören ebenso dazu wie Freundlichkeit und Respekt gegenüber der Lehrerin und den anderen Schülerinnen (und dem einen Schüler). Selbstverständlich hat mich das auch so manches Mal rasend gemacht und ich wollte das Training nicht selten am liebsten ausfallen lassen, aber dann, sobald ich an der Stange stand und meine Pliés übte, war das alles vergessen und ich hatte nichts anderes im Kopf als die Musik und die Bewegung meines Körpers.

Wenn meine Tochter sich nun also für Ballett interessiert, dann bin ich ziemlich Feuer und Flamme, versuche aber, mich mit meiner Begeisterung etwas zurückzuhalten, denn sie soll natürlich selbst herausfinden, ob diese Art des nicht immer schonenden Trainings etwas für sie ist. Wie so häufig bereiten wir uns auf den praktischen Teil auch dieses Mal gerne mit Hilfe von Büchern vor. Zwei der schönsten Ballettbücher möchte ich euch heute hier vorstellen und ich fürchte, dass Jan heute Abend das erste Mal im Leben eine Folge „Anna“ zu sehen bekommt oder ich endlich mal herausfinde, ob und wann die Ballettkurse für Erwachsene hier wieder starten.

Peter Tschaikowsky/Jessica Courtney-Tickle: Schwanensee

„Schwanensee“ ist ein ganz wunderbarer Einstieg in die Welt des Balletts, denn mit diesem Bilderbuch kann man erleben, was den Zauber einer Tanzaufführung ausmacht. Mit Hilfe der zentralen Szenen aus „Schwanensee“ wird hier die Geschichte des von Peter Tschaikowsky so unvergesslich vertonten Stückes erzählt und das Beste ist: man kann selbst auch direkt reinhören. Denn „Schwanensee“ ist ein sogenanntes Musik-Bilderbuch, in dem per Knopfdruck die zur jeweiligen Szene passende Musik ertönt. Meine Tochter mochte diese Verbindung aus Bildern, Text und Tönen sehr und so kann ich das Buch sehr empfehlen – auch wenn mir die Illustrationen ein wenig zu puderzuckrig geraten sind.

Peter Tschaikowsky/Jessica Courtney-Tickle: Schwanensee. Prestel Verlag 2019. ISBN: 978-3-7913-7411-6, Preis: 25,00 Euro.

Kristina Scharmacher-Schreiber/Elisa Vavouri: Ballett. Mit anderen Augen

Das Buch „Ballett. Mit anderen Augen“ von Kristina Scharmacher-Schreiber und mit Illustrationen von Elisa Vavouri wählt eine andere Perspektive. Hier geht es nicht nur um eine bestimmte Aufführung, sondern um einen umfassenden Blick hinter die Kulissen eines Opernhauses und in den Ballettsaal, die Kostümabteilung und schließlich auch auf die Bühne. Dabei wird nicht nur die einmalige Atmosphäre eines großen Hauses und seines Ensembles transportiert, sondern auch eine Menge Hintergrundwissen vermittelt – und das ist wahrlich kein Zufall, denn Kristina, die ich hier auf dem Blog interviewen durfte, hat selbst jahrelang in verschiedenen Opernhäusern gearbeitet und kennt die Welt, die sie hier beschreibt, ganz genau. Ein tolles und wirklich gut aufgemachtes Buch, in dem es eine Menge zu sehen und zu lernen gibt.

Kristina Scharmacher-Schreiber/Elisa Vavouri: Ballett. Mit anderen Augen. Compact Verlag 2018. ISBN: 978-3-8174-1894-7, Preis: 12,99 Euro.

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