#hunderttagebuch: 28 von 100. Meine Nachbarinnen

Heute, an diesem sonnigen Dienstag, frage ich mich, wann uns wohl die Quarantäne ereilt. Bei vier Kindern unter 12 Jahren kann das ja nur eine Frage der Zeit sein und ich lese und höre mittlerweile schon von einigen Familien, die davon betroffen oder gar erkrankt sind. Da ich aber heute schon wieder genug an Corona gedacht habe, möchte ich mich (und euch) jetzt lieber ein wenig ablenken und schreibe heute mal nicht über mich, sondern über meine Nachbarinnen.

Davon hatte ich nämlich schon einige. Manche nur für ein paar Wochen, andere für viele Jahre und trotzdem wusste ich rein gar nichts über sie, kannte höchstens den Nachnamen vom Klingelschild. Von wiederum anderen weiß ich nur sehr wenig und erinnere meist nur eine Sache, die ich mit ihnen verbinde.

Meine Nachbarinnen

Heute habe ich eine Nachbarin, die ich immer freundlich grüße und ich sehe sie häufig, da sie oft vor ihrer Haustüre steht und raucht. Sie steht da morgens, mit noch nassen Haaren aus der Dusche, mittags mit ihrer Mutter, die oben im Haus wohnt, oder mit einer Freundin. Nachmittags steht sie dort sowieso und auch am späten Abend ist sie noch da, wenn ich gerade ins Bett gehe und die Vorhänge zuziehe. Wenn ich sie mehrere Stunden am Stück nicht sehe, beunruhigt mich das ein bisschen, aber irgendwann muss man ja auch mal neue Zigaretten holen gehen.

Ich hatte Nachbarinnen, für die ich die Pakete angenommen habe, und auch mal eine, die sich immer irgendwas von mir leihen wollte. Sie brauchte Druckerpapier oder Butter, Kleingeld oder Milch und manchmal habe ich so getan, als würde ich die Klingel nicht hören oder wäre nicht da, weil ich mit keinem reden wollte, mittags noch einen Schlafanzug anhatte oder beides. Ich hatte eine Nachbarin, die immer spätabends indisch gekocht hat und eine, die jeden Morgen ihren Briefkasten mit einem Microfasertuch abgewischt hat, obwohl da natürlich nichts war, was man hätte wegwischen können.

Eine seltsame WG

Ich hatte eine Nachbarin, mit der ich mir eine etwas seltsame WG im Keller eines Bremer Altbaus teilte und die hatte einen Freund mit gigantisch großen Schuhen und einer unglaublich dämlichen Lache. Gesehen habe ich ihn nie.

Ich hatte eine Nachbarin, die schon sehr alt war und die richtig schlimm geweint hat, als wir nach einigen Jahren aus der Wohnung nebenan auszogen sind und die ich in all der Zeit nie in etwas anderem, als in einem Hausanzug aus Frottee gesehen habe.

Ich hatte eine Nachbarin, die morgens um 5 Uhr joggen ging und ich hatte fast mal eine Nachbarin (und zugleich Vermieterin), die bei meiner Vorstellung in ihrer Wohnung die ganze Zeit gekifft hat und das fand ich dann doch etwas verstörend. Ich hatte eine Nachbarin, von der ich nur den Klang ihrer Schuhe im Treppenhaus kannte, und eine, die meinem Sohn einen blauen Puppenwagen mit Segelbootmuster geschenkt hat, den ich letzte Woche in den Sperrmüll stellen musste, weil kaum noch etwas von ihm übrig war.

Ich hatte eine Nachbarin, die mich immer Sabine genannt hat, und die ich irgendwann nicht mehr korrigieren wollte, und eine, von deren Parfum ich sofort Kopfschmerzen bekam und von der ich immer dachte, dass ich sie woanders her kennen würde, aber ich kam nie dahinter, ob das tatsächlich stimmte…

Bis morgen, wenn ihr mögt!

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