#hunderttagebuch: 21 von 100. Trotzdem ist da Alltag…

Gestern also. Der erste Tag, an dem ich hier nichts geschrieben habe, denn mir fehlten einfach ganz und gar die Worte.

Den ganzen Tag über habe ich immer wieder Nachrichten über Afghanistan gelesen, habe Bilder gesehen, die mich nicht loslassen werden und war fassungslos angesichts des Laschet-Statements, dass sich 2015 nicht wiederholen dürfe. Das ist so eine irre Dimension der Gleichzeitigkeit, nein eigentlich sogar einer unheimlich satten und arroganten Perspektive auf die nahe Zukunft. Denn da marschieren die Taliban noch, die Menschen sind noch dabei, sich (hoffentlich) in Sicherheit zu bringen und müssen Ängste ausstehen, die ich mir noch nicht einmal theoretisch vorstellen kann.

Und dann steht da einer, der schon im Angesicht einer Flutkatastrophe und einer globalen Pandemie so oft daneben gegriffen hat, wie es nicht geduldet werden sollte, und macht gedanklich schon einmal die Grenzen dicht, von denen Menschen in Not noch wünschen, sie zu erreichen. Das ist so jenseits meiner Vorstellungen von Menschenrechten, Demokratie und auch dem vermeintlich christlichen Gedanken der CDU, dass meine Wut auf diese ganze politische Schäbigkeit ‚westlicher‘ Nationen überhand genommen hat. Und wie soll ich da locker von meinem Tag erzählen? Daher schreibe ich auch heute mein Tagebuch schon am Mittag, denn ich will den Dialog mit diesem #hunderttagebuch (und natürlich mit euch) hier unbedingt weiterführen, und zwar dann, wenn die Worte eben da sind.

Und trotzdem ist da Alltag…

Und natürlich bin auch ich heute Morgen ganz normal aufgestanden, habe Frühstück gemacht, mich um die Kinder gekümmert, am Schreibtisch gearbeitet und war heute Mittag sogar mit dem Schulkind auswärts essen, um die Ferien gebührend zu verabschieden. Denn trotz aller Erschütterung geht es ja immer so weiter mit unserem Alltag, aber ich glaube fest, dass sich durch solche Ereignisse und durch das bewusste Hinschauen, das Anteil nehmen und darüber nachdenken, etwas verändern kann. Mein Kreuz im September rettet mit Sicherheit nicht die Welt, aber wenigstens auf diesem Blog kann ich erzählen, was mich bewegt und auch ganz direkt aussprechen, was ich sagen möchte: Bitte wählt nicht die CDU.

Via Instagram (und in vielen anderen sozialen Medien) gab es eine große Diskussion, ob man aktuell öffentlich machen solle, wen man wähle, und ob man versuchen dürfe, auf andere einzuwirken. Ich glaube sogar, dass wir das aktuell nicht nur tun dürfen, sondern sogar unbedingt sollten, denn von dieser Wahl hängt für die Zukunft ungeheuer viel ab. Und wie der Spiegel – den ich oft wegen erschreckend reißerischer und niveauloser Stories gar nicht mehr lesen mag – kürzlich in einer Kolumne titelte: Die Eltern sind längst noch nicht wütend genug und das stimmt, denn das, was hier gerade verbaut wird, ist der Lebensraum unserer Kinder.

Und jetzt gehe ich mich über Chase und Sky unterhalten, backe Waffeln und bin unfassbar froh, dass wir uns hier sicher fühlen dürfen. Aber in Gedanken bin ich bei den Menschen, die gerade um ihr Leben fürchten, auch wenn ich nicht mehr tun kann, als ein wenig zu spenden und mich über das, was geschieht, zu informieren.

Bis morgen – wenn ihr mögt.

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