Weltliteratur für Kinder. Neu erzählte Klassiker

(Bezahlte Kooperation)

Weltliteratur ist etwas für Erwachsene. Für Kinder sind ‚echte‘ Klassiker nämlich noch zu komplex und es wird viel zu langatmig erzählt. Diese Annahmen sind nicht selten, denn häufig gibt es eine gewisse Hemmschwelle, sich Texten, die als Klassiker der Weltliteratur gelten, zu widmen.

Aber muss das wirklich so sein? Sind klassische Geschichten nicht gerade auch deswegen besonders, weil das, was sie erzählen, nicht nur überzeitlich, sondern auch generationenübergreifend in den Bann ziehen kann?

Ich bin fest davon überzeugt, dass sich auch klassische Geschichten, Stoffe und Motive hervorragend für Kinder eignen – sie müssen sich dem kindlichen Denken und Lesen, ja der kindlichen Phantasie dazu nur etwas anpassen.

Weltliteratur für Kinder

Als ich den Kindermann Verlag und dessen Reihe „Weltliteratur für Kinder“ entdeckte, war ich folglich sehr interessiert! Denn dieser unabhängige Berliner Verlag steht für ganz besondere Kinderbücher, durch die junge Leser:innen an Weltliteratur und Poesie herangeführt werden.

Gegründet wurde der Kindermann Verlag 1994 von Barbara Kindermann, heute führt ihre Tochter Anna weiter, was ihre Mutter begann: Texte der Weltliteratur so zu erzählen, dass sie kindgerecht werden, aber ohne dabei allzu sehr zu vereinfachen, sondern sich im Gegenteil darum zu bemühen, die sprachliche und erzählerische Schönheit eines Werkes beizubehalten.

„Weltliteratur für Kinder“ ist eine Buchreihe, die das Interesse an (vermeintlich) ‚schwieriger‘ Literatur wecken und wachhalten will und das gelingt Barbara und Anna Kindermanns Neuerzählungen auf faszinierende Art und Weise.

Der Sandmann

Ganz frisch erschienen ist Anna Kindermanns Neuerzählung von E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“, die Illustrationen dazu hat Dorota Wünsch gefertigt. Hoffmanns schaurige Erzählung, die erstmals 1816 veröffentlicht wurde, erzählt von Nathanael und dessen beinah grenzenloser Angst vor einem Mann namens Coppelius, in dem Nathanael den monströsen Sandmann zu erkennen glaubt.

Dieser Sandmann ist eine durch und durch schreckliche Figur, den die Kinder fürchten, denn er reißt ihnen des Nachts die Augen aus. Hoffmanns Erzählung steht in der Tradition der Schwarzen Romantik und beschäftigt sich mit zahlreichen Aspekten menschlicher Nachtseiten, wobei Angst und Wahnsinn in vielerlei Gestalt auftreten. Berühmt ist auch die Figur der Olimpia, einer Automatenfrau, in die sich der immer irrsinniger werdende Nathanael verliebt.

Wie soll man nun so einen Stoff aufbereiten, um Kindern davon zu erzählen, ohne dass diese abends nicht mehr einschlafen können?

Dicht an der Originalvorlage

Anna Kindermann gelingt dieses Kunststück, indem sie Hoffmanns „Sandmann“ die Düsternis und die Verzweiflung nimmt, nicht aber die Spannung und Tiefe. Denn Kindermanns Neuerzählung bleibt überaus dicht an der Originalvorlage und da geht es nun mal um den Kampf zwischen Gut und Böse, Vernunft und Wahnsinn, aber auch darum, was wir eigentlich wirklich sehen und was eben nicht für ‚unsere‘ Augen (oder unseren Verstand) bestimmt sein könnte. „Der Sandmann“ bleibt auch in dieser Fassung keine überaus heitere Geschichte, doch er wird durch Kindermanns schöne und klare Sprache zu einem Erzählerlebnis, das keinen kalt lässt, aber nicht verstört.

Viele Übergänge und ‚innere‘ Vorgänge der Figuren, die im Original bewusst unklar bleiben, werden den Leser:innen hier deutlich gemacht, da wir mehr darüber erfahren, was Nathanael denkt. Auch das ist erzählerisch eine sehr gute Neuerung, um den Lesefluss für junge Leser:innen zu vereinfachen.

Ich habe „Der Sandmann“ gemeinsam mit meinem großen Sohn (er ist 10 Jahre) gelesen und er fand die Geschichte total spannend. Er selbst liest meistens Phantasy-Romane und war dennoch hin und weg von den vielen Einfällen, Motiven und Wendungen, die Hoffmanns Erzählung so besonders machen. Derzeit liest er „Der Schimmelreiter“ nach Theodor Storm aus der „Weltliteratur für Kinder“-Reihe, das von Barbara Kindermann neu erzählt und von Sabine Wilharm illustriert wurde.

Viele weitere kindgerechte Klassiker

Es gibt nämlich bereits viele weitere Bände mit kindgerechten Klassiker-Fassungen, sodass uns der Lese- und Diskussionsstoff lange nicht ausgehen wird. Ich selbst habe mich direkt in „Romeo und Julia“ und „Das Käthchen von Heilbronn“ verguckt, denn neben den ebenfalls sehr angenehmen Neuerzählungen mag ich die filigranen Zeichnungen außerordentlich.

„Weltliteratur für Kinder“ ist eine mit ganz viel Herzblut konzipierte Buchreihe, die zum Sammeln ebenso einlädt wie zum Verschenken, denn die großformatigen und fest eingebundenen Bücher sind auch buchgestalterisch sehr gelungen. Leseerfahrungen, die ich nicht missen möchte, und die ich nun auch mit meinen Kindern teilen kann, denn diese Bücher gibt man nicht wieder her!

Wenn ihr mehr über den Verlag und die „Weltliteratur für Kinder“ erfahren möchtet, dann schaut doch mal hier auf die Seite des Verlags. Dort gibt es nämlich noch viel mehr zu sehen: etwa „Kinder entdecken berühmte Leute“, „Kinder entdecken Kunst“ oder „Wovon träumst du?“, eine zauberhafte Kinderbuchreihe ab 3 Jahren.

„Der Sandmann“ gewinnen

Und last but not least: Ihr könnt via Instagram aktuell eine signierte Ausgabe von „Der Sandmann“ gewinnen, weitere Infos gibt es hier.

Der Sandmann. Nach E.T.A. Hoffmann. Neu erzählt von Anna Kindermann. Mit Bildern von Dorota Wünsch. ISBN: 978-3-949276-03-3, 36 Seiten. Preis: 18,00 Euro.

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