In Zeiten wie diesen. Familienleben im Corona-Herbst und einige Ideen für die nächsten Wochen

Nach meinem Beitrag zu „Unser aller Partykeller“ haben mich via Instagram einige Fragen erreicht, wie wir bestimmte Dinge im Herbst und Winter angehen wollen. Beispielsweise, wie wir Kontakte handhaben und ob wir Unterschiede zwischen uns Eltern und den Kontakten der Kinder machen. Ich habe dann mal ein wenig nachgedacht und nun aufgeschrieben, was wir derzeit und in den nächsten Wochen und Monaten für wichtig halten. Selbstverständlich ist das nur eine Momentaufnahme und falls doch ein Lockdown auf uns zukommt – was wir natürlich nicht hoffen-, sieht das alles ganz anders aus.

Ich möchte mit diesem Text auf keinen Fall sagen, dass wir alles richtig machen und bin mir auch bewusst darüber, dass wir manche Dinge leichter umsetzen können, weil ich meine Arbeit bspw. nahezu komplett im Homeoffice verrichten kann (was sicher nicht immer angenehm ist, aber das ist ein anderes Thema), weil wir einen Garten haben, nicht auf Öffis angewiesen sind usw. Was ich hingegen möchte, ist Folgendes: Ideen geben und euch sehr gerne dazu einladen, mir davon zu erzählen, wie ihr gerade lebt und was ihr für besonders wichtig haltet.

Kontakte

Das größte Thema in politischen Botschaften sind ja momentan die Parties, Familienfeiern und überhaupt die Kontakte zu anderen Menschen, die wir alle reduzieren sollen. Parties und Familienfeiern hat es bei uns in diesem Jahr sowieso nicht gegeben und mit meinen Kontakten halte ich es seit März so, dass ich Freundinnen nur draußen treffe und auch das nur beschränkt auf zwei Personen, mit den anderen telefoniere oder zoome ich. Natürlich fehlen mir gemeinsame Cafébesuche sehr und das Wetter in den letzten Wochen hat auch dazu geführt, dass ich das ein oder andere Treffen abgesagt habe, denn drinnen ist gerade für mich keine Alternative. Jan hält es auch so, denn für uns war klar, dass wir leichter verzichten können als die Kinder. Und wenn wir uns gemeinsam mit Freunden und Verwandten treffen, dann eigentlich immer im Wald. Die Kinder können rennen, spielen und laut sein und wir haben die Chance auf richtige Gespräche – das ist also keineswegs schlecht oder einschränkend, im Gegenteil. Bei 5 Grad und Regen sieht das natürlich etwas anders aus…

Kontakte der Kinder

Unsere Kinder gehen in den Kindergarten und in die Schule und haben dort natürlich Kontakt zu zahlreichen anderen Kindern. Das ist das ‚Restrisiko‘, das bleiben wird, und für die Kinder hoffe ich so sehr, dass die Einrichtungen möglichst lange geöffnet sein werden. Letztlich freilich nicht nur für die Kinder, denn Homeoffice ist schlicht nicht möglich, wenn drei Kinder unter 5 Jahren zu Hause sind und einen brauchen. In der Freizeit dürfen die Kinder sich zum Spielen auch momentan noch mit anderen Kindern treffen, und zwar mit denen, die sie aus dem Kindergarten und der Schule kennen. Das ist ja eh schon eine recht große Gruppe und daher wollen wir das nicht ausweiten. Also keine Übernachtungen beim Cousin, den wir (leider) nur selten sehen und nach den Ferien auch erstmal kein Handball für den großen Sohn, denn das findet in der Halle statt und aktuell meinen wir, dass das nicht sein muss.

Großeltern

Die Großeltern sind ein Thema, das uns seit März immer wieder sehr beschäftigt, denn die Übernachtungen bei Oma sind für zwei Kinder hier ein großes Highlight. Wenn man die gegenwärtigen Zahlen mit um die 11.000 Neuerkrankungen anschaut, dann denke ich rückblickend, dass wir im Sommer ruhig mal eine Übernachtung bei Oma hätten erlauben können, denn im Vergleich zu heute war da ja so gut wie kein Virus unterwegs. Aber wir waren streng, weil meine Mutter nicht ganz gesund ist und daher kommt ein so enger Besuch im Moment für uns nicht infrage. Das ist wahnsinnig schade, aber wir hätten die Oma auch gerne im nächsten Jahr noch.

Neue Rituale

Für die Kinder ist manches auch jetzt bitter. Kein Halloweenfest hier im Ort, kein Martinsumzug und kein Weihnachtsmarkt. Daher feiern wir anders – natürlich klein und unter uns. Im Sommer haben wir Mittsommer gefeiert und kürzlich Johanni, zu Halloween wird es hier eine kleine Gruselparty mit Filmabend geben und Laternen basteln wir für ein Laternenfenster und diese schöne Aktion. Adventskalender nerven mich zwar schon seit Jahren, aber 2020 ist nicht der Zeitpunkt, um auch nur irgendeinen Anlass zur Freude abzuschaffen. Wir werden Nikolausstiefel befüllen, eine Nachtwanderung unternehmen und basteln, backen, spielen, was das Zeug hält, denn ich möchte, dass diese Zeit für die Kinder so unbeschwert ist wie möglich. Sie grübeln sowieso schon genug über dieses seltsame Corona nach und dem wollen wir schöne Erlebnisse entgegensetzen.

Arbeit und Alltag

Jan ist Freiberufler und trifft bei seiner Arbeit unweigerlich auch auf verschiedene Leute. Er achtet sehr auf die AHA plus L(üften)-Regel und auch mit seinen Kunden läuft das gut. Ich kann, wie erwähnt, das allermeiste von zu Hause aus erledigen und habe daher wenig Kontakte. Aus diesem Grund haben wir auch entschieden, dass Jan die meisten Dinge, die draußen in der Welt anfallen, erledigt. Das haben wir im Sommer nicht so gemacht, aber jetzt ist er bspw. wieder der Einkäufer. An dieser Stelle muss ich gestehen, dass ich mir seit Anfang des Jahres nicht mehr wirklich treu war, denn es gab bestimmte Internetdienstleister, die ich nicht mehr konsultieren wollte, aber wenn man eine ganz bestimmte Sache brauchst, die man im Umkreis von 15 Kilometern nirgendwo bekommt und man andererseits nur einmal klicken muss, damit sie am nächsten Tag geliefert wird… Nun ja, jetzt mal in deutlich: Ich bestelle für meinen Geschmack zu viel bei Amazon und habe den festen Vorsatz das wieder einzuschränken.

Für mich

Ich habe jetzt Telefondates und zwar regelmäßige. Jeden Montagabend bin ich mit einer Freundin am Telefon verabredet, denn wenn wir es nicht strikt vereinbaren, dann klappt es bei mir nie. Zum einen telefoniere ich nämlich gar nicht gerne und zum anderen ist ja immer noch irgendwas zu tun, das scheinbar wichtig ist, das in Wahrheit aber warten kann.

Ich bin ziemlich nett zu mir und verzeihe mir so einiges. Heißt: Ich esse zu viele Chips, mache zu wenig Sport und schaffe generell zu wenig. Aber, es ist halt weiterhin Pandemie, und ich habe überhaupt keine Lust auf irgendeine Form von Selbstoptimierung, es sei denn, es tut mir gut und ich möchte das tatsächlich. Jeder soll gerne joggen gehen, wenn es das ist, was einem gefällt und was man mag, aber für mich gibt es kaum etwas schlimmeres. Dennoch habe auch ich ein paar Dinge, auf die ich gerade verstärkt achte:

Ich gehe jeden Tag raus, egal, wie das Wetter ist.

Es gibt hier jeden Tag mehrmals Obst und Gemüse. Das ist natürlich immer gut, aber nochmal wichtiger, wenn die Tage dunkler werden.

Wenn ich abends überlege, ob wir noch eine Folge gucken wollen oder ich schonmal ins Bett gehen sollte, entscheide ich mich für letzteres. Das ist so gar nicht typisch, aber ich versuche möglichst viel Schlaf zu bekommen, um tagsüber nicht total am Stock zu gehen.

Ich habe mich gegen Grippe impfen lassen.

Ich nehme jedes Schaumbad, das ich kriegen kann, gerne an.

Ich zwinge mich nicht zum Lesen von Büchern, die mir nicht gefallen und ich habe sämtliche Absichten regelmäßigen Tagebuchschreibens mal wieder über Bord geworfen.

Und ich gönne mir einmal im Monat nur für mich etwas, das ich mir normalerweise selbst eher nicht kaufen würde: Eine gute Creme, vernünftig sitzende Socken eines namhaften Herstellers, schönes Papier, einen hübschen Wandkalender usw. Und wer jetzt anführt, dass das ja materielle Dinge seien und Trost durch Konsum schlimm ist, hat natürlich Recht. Aber trotzdem wirkt das bei mir ganz gut. 🙂

So, liebe Leute, das waren meine Ideen zur aktuellen Lage und ich interessiere mich sehr dafür, wie ihr all das seht und handhabt und bin für weitere Anregungen dankbar!

Eure Simone

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