Von Anfängen und Enden. Gedanken zur Einschulung

Gestern wurde unser zweites Kind eingeschult und wie das an solchen Tagen ja so ist: man fragt sich, wo die Zeit geblieben ist und wie das überhaupt sein kann, dass wir jetzt zwei Schulkinder haben. Und ganz nebenbei: Kann es wirklich stimmen, dass Jan und ich dieses Jahr beide vierzig Jahre alt werden?

Ich kenne so gut wie niemanden, der sich so alt fühlt, wie er tatsächlich ist – ich habe viel eher den Eindruck, dass meine Selbstwahrnehmung irgendwo vor gut zehn Jahren stehen geblieben ist und dass ich mich seither wundere, warum die Zahl auf meinem Geburtstagskuchen wächst und ich immerzu gleichbleibe.

Was brauchen Kinder wirklich?

Mich beschäftigen noch immer dieselben Fragen wie mit Ende zwanzig und ich ahne so langsam, dass das wohl meine Lebensfragen sind, die bleiben werden: Was ist das gute Leben und will ich es haben? Was brauchen Kinder wirklich? Wie kann ich meine Tage nicht nur vorbeiziehen lassen, sondern mehr von ihnen festhalten? UND nicht zuletzt: Was und wie schreiben?

Und während ich mir diese Fragen stelle, geht meine Tochter durch die große Eingangstür, wirft noch einen letzten Blick zurück und vergewissert sich, dass wir da sind und dort bleiben werden. Meine große kleine Tochter, die sich so auf die Schule freut, aber in manchen Momenten merkt, dass jeder Neuanfang auch das Ende von etwas ist, und dann werden wir zusammen ein bisschen traurig.  

Machen wir es ‚richtig‘?

Bei ihr ist es ein diffuses Gefühl, dass mit dem Abschied vom Kindergarten einher ging, bei mir ist es die Gewissheit, dass meine Kinder mir zeigen, wie die Zeit vergeht, und dass ich nicht sicher bin, ob wir es ‚richtig‘ machen: Tun wir genug, um wertzuschätzen, was wir haben? Sind wir oft genug einfach nur glücklich und zufrieden mit all dem, was da ist? Oder sind wir weiterhin allzu oft fokussiert auf das, was uns besorgt, was uns Angst macht oder auf die vielen Möglichkeiten, die uns den Blick auf das Hier und Jetzt versperren? Kurz: leben wir ‚genug‘?

Denn es gibt zwei Dinge, die ich meinen Kindern auf keinen Fall vorleben will: Ich will nicht, dass jetzt „der Ernst des Lebens“ beginnt, denn die Grundschulzeit soll(te) eine echt gute Zeit sein. Ich möchte, dass sie spielerisch lernen kann, dass sie sich auf ihre Freund:innen und eine Klassengemeinschaft freuen darf, die den Namen verdient.

Was ich mir wünsche

Ich wünsche mir, dass Schule etwas ist, dass sie gern in ihrem Leben hat. Etwas, für das man zwar leider früh aufstehen muss, aber das auch Zusammenhalt, gute und bestärkende Erlebnisse und ganz viel Spannendes bereithält. Ich will nicht, dass irgendwas oder irgendwer ihr suggeriert, dass ihr unbeschwertes Kindsein nun vorbei ist und ich werde mein Möglichstes tun, um meinen Kindern nicht vorzuleben, dass das eigentliche Leben nur am Wochenende oder im Sommerurlaub stattfindet – was wäre das auch für eine furchtbare Verschwendung?

Und daher ist meine wichtigste Aufgabe für die kommende Zeit: einen schönen und guten Alltag hinbekommen. Keinen, der himmelhochjauchzend von Ereignis zu Ereignis hetzt, sondern einen, der natürlich auch mal viel zu anstrengend oder langweilig sein wird, aber doch auch einer ist, bei dem wir am Ende des Tages alle an einem Tisch sitzen, uns gegenseitig Geschichten erzählen und uns auf morgen freuen – und nicht auf irgendwann!

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